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       1 Lügen schmeckt nach Erdbeere
       
       Anlässlich des 200. Geburtstags des Schriftstellers Carlo Collodi wurde
       „Pinocchio“ zur [1][Eissorte des Jahres 2026 bestimmt]. Das ist eine
       Mischung aus Erdbeersorbet und Milcheis, garniert mit Schokoladen-Grissini
       als Lügennäschen. Dass Pinocchio keine Beleidigung ist, wissen wir
       spätestens, seit die Staatsanwaltschaft Heilbronn das Verfahren gegen einen
       Rentner einstellte, der auf Facebook geschrieben hatte: „Pinocchio kommt
       nach HN“. Er hatte damit den Besuch von Kanzler Merz in Heilbronn gemeint.
       Dabei handle es sich um „zulässige Machtkritik“.
       
       2 Die FDP hat die längste Nase
       
       Die FDP gab diese Woche die pinocchioischste aller Pressekonferenzen. Nach
       dem Desaster bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz – 2,1 Prozent, nach
       4,4 Prozent in Baden-Württemberg zwei Wochen zuvor – [2][kündigte der
       FDP-Bundesvorstand um Parteichef Christian Dürr an], geschlossen
       zurückzutreten. Nur um dann zu verkünden, dass Dürr und Generalsekretärin
       Nicole Büttner beim Parteitag im Mai erneut für den Vorsitz kandidieren
       wollen. Carlo Collodi wäre stolz gewesen. Oder fassungslos. Vielleicht auch
       beides.
       
       3 Dass die Grünen am Ende sind, war nicht die Wahrheit 
       
       Die Grünen sind wohl doch noch nicht so tot, wie das manche erhofft oder
       beschworen haben, das hat schon der Sieg Cem Özdemirs in Baden-Württemberg
       gezeigt. Nun hat der Grüne Dominik Krause – und zwar [3][ohne Blinken nach
       rechts] – die Stichwahl in München gewonnen. Er ist mit 35 Jahren nicht nur
       der jüngste Oberbürgermeister dort seit Hans-Jochen Vogel im Jahr 1960,
       sondern auch der erste offen schwule. Zum Knutschen: der Kuss für seinen
       Freund Sebastian Müller bei der Wahlparty am Sonntagabend.
       
       4 Ehrlich währt am längsten
       
       Christian Dobrick, U19-Trainer des FC St. Pauli, sagt, er habe über Jahre
       „Wortakrobatik“ und einen „rhetorischen Eiertanz“ aufführen müssen, um sein
       Schwulsein zu kaschieren. Nun hat er als erster aktiver Fußballtrainer
       eines deutschen Profivereins [4][seine Homosexualität öffentlich gemacht].
       Ein offen schwuler Profifußballer fehlt in den oberen Ligen weiterhin.
       Dobrick Erkenntnis: Wenn er als Trainer fußballerisch Mut von seinen
       Spielern verlange, könne er nur dann authentisch sein, wenn er selbst den
       Mut habe zu sagen, wer er sei.
       
       5 Der Klügere gibt nicht nach
       
       Der Filmemachers und Schriftstellers Alexander Kluge ist gestorben. Einst
       empfahl Theodor Adorno den „lieben Axel“ dem österreichischen Filmemacher
       Fritz Lang. [5][So bekam Kluge damals ein Praktikum]. Nun beschreiben vom
       Bundespräsidenten [6][bis zum britischen Guardian] Dutzende Nachrufe, wie
       Kluge in die deutsche Gesellschaft hineinwirkte. Was für eine Würdigung
       kann da noch kommen? Vielleicht hat bald eine Frankfurter Hipster-Eisdiele
       die Idee, einen Alexander-Kluge-Eisbecher auf die Karte zu nehmen. (evs,
       lus)
       
       28 Mar 2026
       
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