# taz.de -- Kürzungen bei der Deutschen Welle: Angst vor Populismus
       
       > Die Deutsche Welle plant, ihren griechischen Dienst zu schließen. Das
       > sorgt nun für massiven Widerstand. Nicht nur in Hellas.
       
 (IMG) Bild: Blick auf die Akropolis: Der griechische Dienst der DW gilt als seriöse Stimme bei den Griechen und Zyprioten in aller Welt
       
       Die Post kam aus Athen. „Mit großer Besorgnis“ ist es geschrieben. Es geht
       um das Ende des griechischen Programms der [1][Deutschen Welle (DW)] zum 1.
       Januar 2027. „Wir bitten Sie, diese Entscheidung politisch zu überdenken
       und sich für den Erhalt einzusetzen“, heißt es in einem Schreiben an fünf
       CDU-Bundestagsabgeordnete, darunter Gunther Krichbaum, Staatsminister für
       Europa im Außenministerium, sowie Ottilie Klein, Vorsitzende der
       Arbeitsgruppe für Kultur und Medien in der Unionsfraktion.
       
       Unterzeichner sind Abgeordnete der konservativen griechischen
       Regierungspartei Nea Dimokratia (ND), der zypriotischen DISY-Partei sowie
       Marian Wendt, Büroleiter der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) für
       Griechenland und Zypern in Athen. Sowohl ND als auch DISY sind
       Schwesterparteien der CDU.
       
       Der Anlass für das Schreiben ist ein Beschluss des DW-Verwaltungsrates und
       des Rundfunkrates vom 18. Februar, wonach der öffentlich-rechtliche
       Auslandssender seine Griechisch-Redaktion im Rahmen eines neuen Sparplans
       abschaffen wird. Auch in anderen Sprachen werde „das journalistische
       Portfolio reduziert“, erklärte dazu die DW. Doch nur die
       Griechisch-Redaktion fällt dem Rotstift komplett zum Opfer. Dabei hat der
       griechische Dienst der DW als seriöse Stimme Gewicht in gleich zwei
       Ländern, Hellas und Zypern, sowie in der großen griechischen Diaspora in
       aller Welt.
       
       Betroffen sind 22 Journalisten. Sie produzieren täglich für TV, Radio und
       Web. Nach taz-Informationen beträgt der Gesamtetat der Griechisch-Redaktion
       für 2026 knapp 700.000 Euro – ein Klacks, wenn man bedenkt, dass die DW 21
       Millionen Euro einzusparen hat, nachdem der Bundeszuschuss im Haushalt 2026
       um zehn Millionen Euro auf 415 Millionen Euro gekürzt wurde und ein
       Mehraufwand von elf Millionen Euro „wegen moderater Tarifsteigerungen aus
       dem bestehenden Tarifabschluss“ zu kompensieren ist. Finanziert wird die DW
       aus Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien
       (BKM). BKM ist seit Mai 2025 Staatsminister [2][Wolfram Weimer].
       
       Fest steht: Die Griechen und Zyprioten sind vergrätzt. Politiker, Medien,
       die Deutsch-Hellenische Wirtschaftsvereinigung, die Griechische Gemeinde
       Berlin und der Verein der griechischen Akademiker in Frankfurt bekundeten
       bereits ihr großes Unverständnis. Sie weisen unisono darauf hin, dass das
       griechische DW-Programm seit 1964 für sachlichen Journalismus in einer Zeit
       voller Propaganda und Falschnachrichten stehe. Auch DW-Mitarbeiter anderer
       Fremdsprachenprogramme wundern sich über das Aus der Griechisch-Redaktion,
       wie die taz erfuhr.
       
       Das Fehlen der griechischen Sprache hinterlasse „eine gefährliche Lücke“,
       so die Athener Tageszeitung Kathimerini. Kritiker warnen konkret davor,
       dass [3][Chinas Auslandssender CGTN] mit seinem griechischsprachigen
       Programm und eine Vielzahl von Webseiten, die auf Griechisch russische
       Propaganda verbreiteten, aus einem Wegfall der Griechisch-Redaktion Nutzen
       ziehen würden. Dabei gehe es um die Zukunft zweier EU-Länder in einer
       geopolitisch hochbedeutenden Region, legen sie den Finger in die Wunde. Die
       griechische Stimme der DW dürfe daher nicht zum Schweigen gebracht werden.
       
       Das findet auch Marian Wendt, der KAS-Leiter in Athen. Gegenüber der taz
       sagt er: „Der Erhalt des griechischsprachigen Angebots der Deutschen Welle
       ist nicht nur für die deutsch-griechischen Beziehungen von großer
       Bedeutung, sondern auch für den europäischen Dialog insgesamt. Gerade in
       Zeiten geopolitischer Spannungen und wachsender Desinformation braucht
       Europa verlässliche Medien, die demokratische Werte, Meinungsfreiheit und
       den Austausch zwischen den Gesellschaften stärken. Dafür steht die DW seit
       Jahrzehnten.“
       
       In der heiklen Causa ist derweil [4][online eine Petition im Deutschen
       Bundestag] eingereicht worden. Sie fordert den Erhalt der
       Griechisch-Redaktion. Zur Begründung heißt es darin: „Eine vollständige
       Schließung des Programms birgt die Gefahr, populistischen Kräften in der
       Region zusätzlichen Argumentationsraum zu eröffnen, wonach Deutschland den
       Anliegen Griechenlands nicht die gebotene Aufmerksamkeit schenke. Ein
       solches Signal sollte unbedingt vermieden werden.“
       
       12 Mar 2026
       
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