# taz.de -- Wo die Letzte Generation heute steht: „Ich würde mich heute nicht mehr auf die Straße kleben“
       
       > Die Klimaaktivistin Carla Hinrichs blickt auf die Proteste der Letzten
       > Generation zurück. Hier erzählt sie, warum sie die Blockaden weiterhin
       > für richtig hält, es nun aber neue Strategien braucht.
       
 (IMG) Bild: Carla Hinrichs ist als Pressesprecherin der Letzten Generation bekannt geworden
       
       tazlab: Frau Hinrichs, Zeit für ein Zwischenfazit. Viele Aktivist*innen
       der Letzten Generation stehen vor Gericht, um die Klimabewegung ist es
       still geworden und es gibt nach wie vor keinen wirksamen Klimaschutz in
       Deutschland. Ist es das, was Sie sich von den Protesten erhofft haben? 
       
       [1][Carla Hinrichs]: Es ist schmerzhaft zu sehen, wie es den Menschen
       ergeht, die sich auf die Straße gesetzt haben, um für ihre Rechte und ihre
       Zukunft einzustehen. Die [2][Klimakrise] eskaliert um uns herum, die Lage
       ist schlimmer als je zuvor. Es war ein Weckruf – und der Staat hat
       entschieden, ihn [3][nicht nur zu ignorieren], sondern auf brutale Art und
       Weise dagegen vorzugehen. Das macht es alles ziemlich düster. Natürlich
       habe ich mir damals, als ich meinen ganzen Mut zusammengenommen und mich
       auf die Straße gesetzt habe, etwas anderes erhofft. Aber damit, dass
       Menschen für ihren friedlichen Protest als kriminelle Vereinigung verfolgt
       werden, hat glaube ich niemand gerechnet.
       
       tazlab: Was sagt das über unsere Demokratie aus?
       
       Carla Hinrichs: Jede Person, die sich für zivilen Widerstand entschieden
       hat, wusste, dass ihr Handeln sie vor Gericht bringen kann. Das war auch
       mir vollkommen klar. Grundsätzlich halte ich es für richtig, dass der
       Rechtsstaat überprüft, ob und inwiefern eine Aktion gerechtfertigt oder
       strafbar ist.
       
       tazlab: Aber?
       
       Carla Hinrichs: In dem Moment, in dem Menschen unter Schmerzgriffen von der
       Straße geführt, in Präventivhaft gesperrt und vor Gericht gezerrt werden,
       geht es nicht mehr um eine inhaltliche Auseinandersetzung. Dann geht es
       darum, Protest zu delegitimieren, zu unterdrücken und zu kriminalisieren.
       Eine Demokratie muss sich immer daran messen lassen, wie sie mit Protest
       umgeht. Und da zeichnet sich gerade kein gutes Bild ab.
       
       tazlab: Hat die Letzte Generation dennoch etwas erreicht?
       
       Carla Hinrichs: Wir haben eine mutige und hoffnungsvolle Vision für die
       Zukunft geschaffen. Neben der Aufmerksamkeit für die Klimakrise, die es
       ohne die Letzte Generation in diesen Jahren so nicht gegeben hätte, hat
       sich der Raum des Möglichen verschoben. Wir haben gezeigt, wie viel sich
       verändern kann, wenn Menschen gemeinsam Verantwortung übernehmen und
       Widerstand leisten.
       
       tazlab: Die Proteste haben zwar viel Aufmerksamkeit erzeugt, aber nicht
       unbedingt positive. Würden Sie sich heute immer noch auf die Straße kleben?
       
       Carla Hinrichs: Es war immer richtig und es wird immer richtig gewesen sein
       – in einem Moment, in dem alles auf dem Spiel stand, in dem es aber auch
       noch die Möglichkeit gab, [4][etwas zum Guten zu verändern]. Wenn sich die
       Umstände ändern, muss sich jedoch auch der Protest anpassen. Das müssen wir
       als Bewegung leisten können. Deswegen würde ich mich heute nicht mehr auf
       die Straße kleben. Es wäre naiv zu glauben, dass wir mit der gleichen
       Taktik plötzlich andere Ergebnisse erzielen könnten.
       
       tazlab: Hat der Staat es am Ende also geschafft, die Bewegung zum Schweigen
       zu bringen?
       
       Carla Hinrichs: Wenn die Polizei mit gezogener Waffe in dein Zimmer stürmt,
       ist das definitiv einschüchternd. Natürlich blicke ich seitdem anders auf
       den Klimaaktivismus. Ich stelle mir zweimal mehr die Frage, was mein
       Protest für Folgen haben wird. Trotzdem wehre ich mich entschieden gegen
       die Behauptung, die Klimabewegung sei tot. Protestbewegungen sind nicht
       linear, sie kommen in Wellen. Es gibt Phasen, in denen mit einem Thema
       viele Menschen mobilisiert werden können. Und es gibt Phasen dazwischen, in
       denen es ruhiger wird, in denen man sich neu organisiert und reflektiert,
       was funktioniert hat und [5][was in Zukunft funktionieren kann].
       
       tazlab: Da befinden wir uns gerade?
       
       Carla Hinrichs: Ja. Es gibt nach wie vor viele Menschen, die sich für das
       Klima engagieren, [6][obwohl es momentan keinen zu interessieren scheint].
       Die im Hintergrund die Strukturen aufrechterhalten und weiterentwickeln.
       Diese Menschen schaffen die Grundlage dafür, dass in ein paar Monaten oder
       Jahren wieder massenhaft Menschen auf die Straße gehen werden. Nicht weil
       sie wollen, sondern weil sie müssen.
       
       Beim taz lab wird Carla Hinrichs gemeinsam mit Thilo Bode darüber sprechen,
       was die Klimabewegung hätte besser machen müssen: [7][Blaue Bühne, 16 Uhr]
       
       26 Mar 2026
       
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       ## AUTOREN
       
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