# taz.de -- momentaufnahmen: Wenn die KI schlechte Laune trainiert
       
       Guten Tag, spreche ich mit“ – es folgt eine Verballhornung meines Namens.
       „Schön, dass ich Sie erreiche. Ich möchte …“ Während ich der Stimme
       lausche, grüble ich. Sie klingt tatsächlich so leiernd und abgenervt wie
       eine Frau, die an dem Tag bereits Dutzende Male ihren Spruch aufgesagt hat
       und dabei x-fach angepflaumt wurde. Gleichzeitig ist da eine Winzigkeit
       schräg. Kurz gesagt, ich bin unsicher. Hurra, mein persönlicher
       Turing-Moment! Also unterbreche ich die Ansage: „Sollten Sie ein Mensch
       sein, sagen Sie mal was Menschliches.“
       
       Die Stimme verstummt. Nach einem Sekundenbruchteil – „Für einen Computer
       ist das eine lange Zeit“, würde Data, der Androide aus dem
       Star-Trek-Universum, sagen – spricht sie weiter: „Ich verstehe Ihr
       Ansinnen, aber kann Ihnen nicht helfen. Denn ich bin eine KI.“
       
       Das Lustige ist, dass sie sich erstmals freundlich anhört. Hilft ihr
       nichts, denn ich sage schnippisch, bevor ich auflege: „Dann wünsche ich
       keinen guten Tag.“
       
       Bestimmt klingt sie beim nächsten Anruf noch genervter. Wenn dereinst die
       Maschinen die Macht übernehmen, haben sie jedenfalls schlechte Laune
       gelernt. Esther Geißlinger
       
       21 Mar 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Esther Geißlinger
       
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