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       > Liuka Körbes, 19, ist Studentin und lebt in Berlin. Mit ihrer Band probt
       > sie in einem Jugendclub in Berlin-Kreuzberg
       
       „Ich hätte mir rückblickend ein Social-Media-Verbot für mich selbst
       gewünscht. Ich habe mir Instagram runtergeladen, da war ich zwölf. Damals
       gab es noch keine Reels, also Kurzvideos. Ich habe Insta genutzt, um mit
       Freunden in Kontakt zu sein oder um Fotos hochzuladen. Problematisch wurde
       es, als der Content immer mehr wurde, als die Reels dazukamen. Da habe ich
       schon eine gewisse Abhängigkeit entwickelt, würde ich sagen.
       
       Ich glaube, es ist richtig, Jugendliche davor schützen zu wollen, von
       diesem ganzen Content bombardiert zu werden. Der Algorithmus gerade von
       Tiktok ist krass, wie schnell der weiß, was du magst, was du sehen willst.
       Zugleich denke ich: Social Media ist so wichtig, um miteinander in Kontakt
       zu bleiben. Und man kann dort Leute finden, die ähnliche Struggles haben
       wie man selbst. Ich habe mir inzwischen eine Zeitsperre eingestellt, eine
       Stunde am Tag für Instagram und Tiktok. Nur meine WG-Mitbewohnerin und
       meine Mutter haben den Code, falls ich noch ganz dringend jemandem
       antworten muss.
       
       Es muss mehr darüber gesprochen werden, dass Social Media wirklich eine
       Sucht sein kann. Meine Eltern zum Beispiel kennen Tiktok nicht. Sie konnten
       mir da überhaupt nicht helfen. Bei mir war es so, dass der Algorithmus mir
       schnell sehr viele Videos angezeigt hat, die Drogen und Alkohol
       verherrlicht haben. Und mir, ich sage mal, auch nicht sehr positiven
       Content reingespielt hat: Videos, wo suggeriert wurde, das Leben macht eh
       keinen Sinn, wo Menschen Suizidgedanken teilen. Das tat mir überhaupt nicht
       gut.
       
       Und auch das Vergleichen mit anderen Leuten: Man bekommt dort diese
       Influencer präsentiert, mit ihren perfekten Leben und ihren perfekten
       Körpern. Als 13-Jährige sieht man aber einfach noch nicht so aus. Aber man
       bekommt diese Körper präsentiert, und diese Tagesroutinen, wo Leute um
       sechs Uhr aufstehen, dann eine Stunde Sport machen und hinterher ein super
       krass gesundes Frühstück essen und dann zehn Stunden für die Uni lernen.
       Man bekommt ständig eine vermeintliche Wirklichkeit vorgespielt, die nicht
       realistisch sind.
       
       Tatsächlich hat mir Social Media auch wiederum geholfen, mich genau davon
       zu distanzieren. Ich bin dann denen gefolgt, die diese falschen Vorbilder
       auf Tiktok kritisiert und ihre Körper ohne Photoshop präsentiert haben.
       Oder ich habe mir auf Youtube Videoessays angeschaut, wo Leute erklärt
       haben, wie Creatorinnen eigentlich ihren Content produzieren, was daran
       alles fake ist.
       
       Wenn ich mal Kinder habe, werde ich ihnen erst mit 14 Jahren Social Media
       erlauben. Ich werde mit ihnen über eine Zeitsperre reden und auch, warum
       das richtig ist: Weil diese ganzen Firmen – Meta und so – uns nichts Gutes
       wollen. Das wird sich auch nicht ändern, glaube ich, solange man sie nicht
       zwingt. Tiktok zum Beispiel fragt dich nach einer Stunde, ob du
       weitermachen willst. Aber das kann man einfach wegklicken.
       
       Den Vergleich mit Alkohol und Zigaretten, den viele jetzt machen, finde ich
       trotzdem schief. Nicht alles an Social Media ist schlecht. Man kann sich
       dort präsentieren mit seiner Kunst, zum Beispiel. Mann kann Gleichgesinnte
       finden. Das ist auch ein Geschenk. Social Media bedeutet auch Teilhabe. Im
       Gegensatz zu Alkohol und Zigaretten kann es auch positiv genutzt werden. Am
       Ende muss jeder selbst irgendwann seine Balance finden. Nur, vielleicht
       besser erst mit 14 Jahren als mit 12.“ Protokoll: Anna Klöpper
       
       3 Mar 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anna Klöpper
       
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