# taz.de -- Feiertag in Russland: Drohnen, Bier und Feuerwerk
       
       > Der „Tag des Vaterlandsverteidigers“ wird in Russland groß gefeiert.
       > Besonders die junge Generation soll sich in Patriotismus und Nahkampf
       > üben.
       
 (IMG) Bild: Hoher Besuch: Russlands Präsident Wladimir Putin bei den Feierlichkeiten zum Tag des Verteidigers des Vaterlandes in Moskau
       
       In Russland dreht sich jedes Jahr am 23. Februar alles um den Mann, genauer
       gesagt: um den kriegstauglichen Mann. Denn der „Tag des Verteidigers des
       Vaterlandes“ ist schließlich nicht irgendein beliebiger Feiertag. Er ist
       wie geschaffen für die mit heldenhaftem Pathos übersättigte russische
       Gegenwart.
       
       Während in der Hauptstadt Moskau vor Monaten aufgestellte Weihnachtsbäume
       auch zum Ende des Winters hin noch für festlichen Glanz sorgen, waren
       zahlreiche offizielle Veranstaltungen am vergangenen Montag darauf
       ausgerichtet, dem Publikum das patriotische Einmaleins für wehrhafte
       Bürgerinnen und Bürger einzutrichtern. Werde die Heimat nicht gebührend
       verteidigt, so der Tenor, sei sie am Ende.
       
       [1][Im Idealfall sollte sich schon jedes Kind mit diesem Thema auskennen].
       Besonders eifrige und vorbildliche Eltern ließen ihre Sprösslinge im Museum
       des Großen Vaterländischen Krieges am militärpatriotischen Spiel „ Zarnitsa
       2.0“ teilnehmen. Das „Wetterleuchten“, so die deutsche Übersetzung, ist
       eine sowjetische Erfindung für Kinder im Pionieralter, also zwischen 9 und
       14 Jahren. Die Teilnehmenden schlüpfen in verschiedene Rollen und kämpfen
       in Mannschaften gegeneinander.
       
       ## Alles ganz hochmodern
       
       [2][Durch die Simulation von Gefechtssituationen erwerben sie militärische
       Grundkenntnisse, die sie auf den späteren Wehrdienst vorbereiten]. Alles
       hochmodern. Auch der spielerische Umgang mit Drohnen stand im Museum auf
       dem Programm. Zukünftige Drohnenpiloten werden in Russland derzeit explizit
       gesucht.
       
       Verantwortlich für die Umsetzung des landesweit organisierten Militärspiels
       ist die „Bewegung der Ersten“ – eine Art Pionier-Ersatz, der über das
       Schulsystem auf ihre Zielgruppe einwirkt und sich damit brüstet, fast 12
       Millionen Kinder und Jugendliche sowie rund 2 Millionen Mentor*innen mit
       ihrer Arbeit erreicht zu haben. Unterstützt wird die Bewegung von der
       Junarmija und dem Zentrum „Kämpfer“. Diese beiden Strukturen stimmen nicht
       nur ideologisch auf Kriegsführung ein, sondern vermitteln auch praktische
       Kenntnisse für den Ernstfall.
       
       Etliche Kilometer vom Ort dieses Geschehens entfernt, in einem an diesem
       Feiertag wenig belebten Moskauer Stadtteil, hat sich eine Gruppe Teenager
       um einen niedrigen Pfosten versammelt. Darauf stehen ein paar Becher mit
       Getränken, die sie gemeinsam leeren, bevor sie weiterziehen.
       
       Die jungen Leute verbreiten gute Laune. Ihre Outfits mit punkigem Einschlag
       wirken alles andere als konventionell und schon gar nicht patriotisch. Ihre
       Haare sind teils knallrot gefärbt, einer trägt eine abgewetzte Lederjacke
       mit wild bemalter Rückenpartie.
       
       Ob sie den heutigen Feiertag begehen? Sie tun erst so, als verstünden sie
       die Frage nicht. Der Lederjacken-Teenie antwortet schließlich, ihre
       Punk-Band habe gleich einen Auftritt. Dann stürmen sie die Treppe zu einem
       eher unscheinbaren Club hinauf – just in dem Moment, als von dort
       lautstarker Punk-Rock ertönt.
       
       ## Staatsfernsehen in Hochform
       
       Etwa zur gleichen Zeit traf sich Präsident Wladimir Putin im Kreml mit
       sechs Witwen ausgewählter gefallener russischer Kämpfer. Er zeigte sich
       besorgt über das Schicksal der Frauen und ihrer Kinder. Ihnen müsse auf die
       Beine geholfen werden, erklärte er. Da lasse er nicht locker und fordere
       von allen politischen Ebenen, sich um deren Zukunft zu kümmern.
       
       Auch die Erwachsenen kamen am 23. Februar auf ihre Kosten.
       Filmvorführungen, Tanz, thematische Führungen oder Vorträge zu Themen wie
       „Fünf unbekannte Militärsiege Russlands“ standen zur Auswahl. Fast alles
       für umsonst.
       
       Auch das Staatsfernsehen lief zu Hochform auf. In den Abendnachrichten
       durfte die bekannte Nachrichtensprecherin Jekaterina Andrejewa in der ihr
       eigenen Manier einer jung gebliebenen Vorzeigepionierin eine Reportage über
       das Leben von Frontkämpfern ankündigen, die der Krieg zu einer „großen
       Armeefamilie“ zusammengeschweißt habe.
       
       ## Knallen von Feuerwerkskörpern
       
       Im ersten TV-Kanal wurde zur besten Sendezeit die erste Folge von „10
       Geschichten über Liebe und Tod“ nach einer Vorlage des Kriegsbloggers
       Semjon Pegow, bekannt unter seinem Pseudonym WarGonzo, gezeigt. Das
       Publikum wird darin in den Februar 2022 zurückversetzt und in den
       russischen Angriff auf die ukrainische Hafenstadt Mariupol, der hier als
       russische Verteidigung Mariupols bezeichnet wurde.
       
       Von irgendwoher ist das Knallen von Feuerwerkskörpern zu hören. In der
       Straßenbahn sind zu später Stunde kaum noch Fahrgäste unterwegs. Ganz
       hinten sitzen drei vom Alkohol gezeichnete Männer, die nicht nach
       Vaterlandsverteidiger aussehen. Einer schläft, ein Zweiter kippt sich Bier
       aus einem Fünf-Liter-Plastikbehälter in den Hals. Der Dritte stammelt mit
       einem müden Lächeln, dass heute schließlich gefeiert werden müsse.
       
       24 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Propaganda-in-russischen-Schulen/!6145969
 (DIR) [2] /Patriotismus-an-russischen-Schulen/!5841741
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Vera Bessonova
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Russland
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
 (DIR) Wladimir Putin
 (DIR) Drohnen
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
 (DIR) Russland
 (DIR) Russland
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Ausstellung bei Moskau: Die Russland-Illusion
       
       Mit einer großen Ausstellung preist Russland seine Errungenschaften. Eine
       oberflächliche Schau der Eitelkeit – und plötzlich fällt das Wort
       „Ukraine“.
       
 (DIR) Militarismus an russischen Schulen: Neues Schulfach Handgranatenwurf
       
       Zum neuen Schuljahr führt Russland ein Geschichtsbuch ein, das den Westen
       verdammt. Auch auf dem Lehrplan: militärische Ausbildung der Schüler*innen.
       
 (DIR) Eindrücke aus Moskau: Angst, Unsicherheit, Trotz
       
       Im Moskauer Siegespark zeigen sich viele Befragte unbeeindruckt von den
       Entwicklungen um die Ukraine. Doch einige geben sich auch kampfbereit.