# taz.de -- „Star Trek: Starfleet Academy“: Was kann die neue Generation?
       
       > Starfleet Academy ist die neue Star Trek-Serie. Eine Riege junger
       > Rekruten soll mal wieder die Welt retten. Doch eine Figur fällt besonders
       > auf.
       
 (IMG) Bild: Sollen mal wieder die Welt retten: die jungen Rekruten in der Serie „Star Trek Starfleet Academy“
       
       Wer Star Trek schaut, und ich gehöre dazu, wird in Geschichten
       hineingezogen, in denen am Ende die Vernunft, die Klugheit, die
       Bereitschaft, Konflikte zum Wohle aller zu lösen, oberste Priorität hat und
       das Gute über das Böse siegt. Religionen versuchen, diesen moralischen
       Kompass zu formulieren. [1][Heute allerdings muss diese Botschaft über
       Serien wie Star Trek kommen]. „Bist du ein Trekki?“, fragte mein Kollege,
       und es klang, als fragte er ein Glaubensbekenntnis ab.
       
       Doch eigentlich bin ich nur Mitläuferin. Der wahre Trekki ist meine
       Freundin. Sie kennt sich aus, nennt alle Figuren aus allen Serien beim
       Namen. Gut, an Captain Janeway in Star Trek Voyager kann ich mich erinnern
       – in vielen Folgen erinnert das Böse an den deutschen Faschismus während
       der Nazizeit. Janeway war übrigens Kapitänin, lange bevor Frauen in
       Führungsrollen ein Thema war.
       
       Und an [2][Star Trek Picard] erinnere ich mich auch, in meinen Augen die
       beste Serie, die es gab. Es ging darum, die Welt zu retten vor Verrat. Mal
       wieder.
       
       Mit der neuen Reihe Starfleet Academy versuchen die Macher*innen eine
       neue Generation aufzubauen. Denn viele der ehemaligen Star Trek-Ikonen sind
       alt oder tot.
       
       ## Es beginnt mit einem Fehler
       
       Deshalb werden nun auf der Akademie die Führungsfiguren der Sternenflotte
       der Zukunft ausgebildet. Hoffentlich. Und wieder geht es darum, Konflikte
       so zu lösen, dass ein friedliches Miteinander möglich ist. Daran werden die
       jungen Kadetten und Kadettinnen herangeführt.
       
       Einer der Ausgangskonflikte in der neuen Serie hat etwas damit zu tun, dass
       die Föderation einen Fehler eingesteht: Sie hat ein Kind, Caleb Mir, von
       der Mutter getrennt. Die Mutter musste in ein Erziehungslager, das Kind
       sollte ein Mündel der Föderation werden. Aber Caleb entwischt und taucht,
       das ist der Einstieg in die Serie, als krimineller 21-Jähriger wieder auf.
       
       Trotz seines Vorstrafenregisters wird Caleb in die Sternenflottenakademie
       aufgenommen. Anpassung, Widerstand, Eigensinn, Individualität,
       Unterordnung, Verantwortung, Rebellion und Außenseitertum – es sind Themen,
       die Jugendliche betreffen und die in der Serie ausgelotet werden. Daher
       könnte Starfleet Academy auch im Schulunterricht taugen.
       
       Dass eine Serie damit beginnt, dass ein Fehler von denen, die Macht und
       Einfluss haben, eingestanden wird, ist ungewöhnlich. Denn Fehler
       einzugestehen auf politischer oder gesellschaftlicher Ebene ist aus der
       Mode. Es sind solche Feinheiten, die den moralischen Subtext der Star
       Trek-Serien bilden.
       
       ## Das Erbe der alten Generation
       
       Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang auch, wie die gesellschaftliche
       Ausgangssituation, der ein verheerender Zusammenbruch vorausging, skizziert
       wird: „Diese Kinder erben eine zerbrochene Welt, die sie nicht geschaffen
       haben, aber aufbauen müssen“, heißt es. Gerne würde ich von
       Politiker*innen unserer Gegenwart hören, dass sie sehen, was sie den
       nachfolgenden Generationen aufbürden.
       
       Bei Star Trek geht es, wie bei den meisten Serien, darum, eine prosoziale
       Beziehung mit Personen der Geschichte aufzubauen. Mit ihnen wird
       mitgefiebert, ihr Wohl und Wehe berührt.
       
       An wem man dabei ein besonderes Interesse entwickelt, hat mit der Biografie
       der Betrachtenden zu tun. Ich bin nicht jung, von daher bleibe ich bei
       Starfleet Academy nicht an Caleb oder anderen Kadett*innen hängen. Mir
       gefällt stattdessen Nahla Ake, die Kanzlerin der Sternenflottenakademie.
       Sie ist alt, eigenwillig, verschmitzt und geheimnisvoll. Von Etikette hält
       sie nicht viel, Autorität ist ihr Verantwortung; gern legt sie auch mal die
       Füße auf den Tisch. Sie ist meine neue Heldin, und ich freue mich jetzt
       schon, wenn sie in Szene tritt.
       
       10 Feb 2026
       
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