# taz.de -- Abseits von Phrasen: Konservativ, aber richtig!
       
       > Schluss mit dem Progressivgequatsche, stattdessen zukunftsfähig
       > konservativ werden? Weiterdenken mit Ricarda Lang und Robin Alexander
       > beim taz lab.
       
 (IMG) Bild: taz lab 25: hat sich hier eine Generation Habeck versammelt?
       
       [1][taz lab] | Ricarda Lang will mit den Grünen das Zentrum einer
       [2][„progressiven Mehrheit“] bilden oder hat das zumindest behauptet. Robin
       Alexander weiß, dass Konservative allein das Wort „progressiv“ kirre machen
       kann. Die denken bei dem Wort sofort „woke“ und rasten aus. Worauf,
       diejenigen, die „woke“ verständlicherweise positiv besetzen, ihrerseits
       ausrasten.
       
       So wird das nichts. Wie kann man in einer Zeit, in der Zukunftspolitik für
       viele ein schlimmes Wort zu sein scheint, eine Mehrheit für Zukunftspolitik
       gewinnen – und für welche? Das fragen wir die Grüne Bundestagsabgeordnete
       und den führenden Analytiker des Konservativismus beim taz lab.
       
       Die Ex-Parteivorsitzende Lang ist interessanterweise inzwischen Everybody’s
       Darling einer Partei, die das nun gar nicht mehr von sich behaupten kann.
       Alexander, Bestsellerautor und erfolgreicher Podcaster
       [3][(„Machtwechsel“)] ist nach seinem Weggang von Springer irgendwie auch
       Everybody’s Darling.
       
       ## Die Bedürfnisse sind konservativ
       
       Gerne und mit Argumenten belegbar wird in der Bundesrepublik von
       [4][„Rechtsruck“] geredet. Doch die Frage ist erstens, ob das stimmt und
       zweitens, ob es klug ist, es so zu nennen. Wenn wir nicht von den
       Rechtsradikalen, rechtspopulistischen Strategen und ihren medialen Sprach-
       und Schreibrohren reden, sondern von ihrer Zielgruppe (nämlich, den nach
       rechts gerückten), dann sind wir bei menschlichen Bedürfnissen, die
       überwiegend halt nicht „progressiv“ sind, aber eben auch nicht darin
       bestehen, andere zu hassen und umzubringen.
       
       Diese Bedürfnisse sind konservativ: Sicherheit, Halt, Geborgenheit,
       Wertschätzung, das Gefühl, in diesem Land und am Wohnort Zuhause zu sein.
       Die Erfüllung dieser konservativen Bedürfnisse ist die Voraussetzung, um
       von einem sicheren Ort aus aufbrechen und loslegen zu können, so beschreibt
       es Sozialpsychologe Harald Welzer. Wir reden hier wohlgemerkt vom Westen
       und nicht von Menschen, die durch Krieg oder Klimakatastrophe ihren
       sicheren Ort verloren haben.
       
       ## Generation Habeck
       
       Die Arbeitsthese lautet, dass es in Deutschland eine Generation Habeck
       gibt, über Grünen-Wähler hinaus, die sich vom klassischen
       politisch-moralischen Denken verabschiedet hat, links-rechts,
       konservativ-progressiv, gut-böse.
       
       Diese Leute suchen Allianzen der Unterschiedlichen oder sind zumindest
       bereit, sie zuzulassen. Das allerdings wird durch den Backlash im
       politischen und mediengesellschaftlichen Sprechen infrage gestellt: Von den
       einen werden Konservative zunehmend als „Nazis“ denunziert und von den
       anderen „Linksgrüne“ als die Wurzel allen Übels.
       
       ## Das Progressiv-konservative Paradoxon
       
       Wir sind in einer Lage, auch das eine Gesprächsthese, in der es darum geht,
       die Errungenschaften der liberalen Moderne – Schutz, Recht, Freiheit,
       Sozialstaat und Individualismus – zu „bewahren“. Und das geht nur durch
       politische Reparaturen. Wir müssen die reparativen Veränderungen und die
       konservativen Bedürfnisse zusammenbringen.
       
       Der Politikstratege Peter Siller hat dafür den Begriff
       „Progressiv-konservatives Paradoxon“ geprägt. Linkspartei und SPD, die sich
       – wie begründet auch immer – stets als progressiv verstanden, wollen jetzt
       als oberstes oder einziges Ziel den Sozialstaat bewahren.
       
       ## Alle konservativ, aber auch zukunftsfähig konservativ?
       
       Grüne wollen die planetarischen Grundlagen bewahren, ohne die es keine
       Zukunft gibt, haben aber allein keine Mehrheit dafür. Konservative wollen
       die Vergangenheit bewahren, die es schon gar nicht mehr gibt und müssen
       Teil der Veränderung werden, damit – das ist ein schlimmes Schlagwort, aber
       auch darüber werden wir sprechen – „alles so bleiben kann, wie es ist.“
       
       Die These lautet daher: Alle sind konservativ, aber niemand ist
       zukunftsfähig konservativ. Wie kann man das ändern?
       
       Darüber diskutieren auf dem taz lab Paulina Unfried (King’s College) und
       [5][taz FUTURZWEI]-Chefredakteur Peter Unfried im „Weiterdenken“-Gespräch
       mit der Grünen-Politikerin Ricarda Lang und dem ehemaligen
       stellvertretenden Welt-Chefredakeur Robin Alexander.
       
       23 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /taz-lab/kongress-fuer-debatte-streit-verstaendigung/!v=2f2702df-3697-433e-9d1d-48f733c77d1c/
 (DIR) [2] /Politik-der-Zukunft/!6079326
 (DIR) [3] /Podcast-Machtwechsel-nun-selbstaendig/!6140048
 (DIR) [4] /Drohender-Rechtsruck/!6137378
 (DIR) [5] /taz-FUTURZWEI/magazin-fuer-zukunft-und-politik/!v=8ce19a8c-38e5-4a30-920c-8176f4c036c0/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Peter Unfried
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA