# taz.de -- Neuer Dortmund-„Tatort“: Abschied im serbischen Flammeninferno
> „Ich war schon bei Belgrad draußen“, heißt es im neuen „Tatort“ aus
> Dortmund, der auch in Ex-Jugoslawien spielt. Was ein wenig zu viel
> gewollt ist.
(IMG) Bild: Rosa Herzog (Stefanie Reinsperger), Otto Pösken (Malick Bauer, l) und der Himmel über Dortmund
Taucht ein toter Serbe im „Tatort“ auf, ist absehbar, dass mindestens zwei
weitere tote Serben oder mindestens Jugos auftauchen. Im neuen „[1][Tatort“
aus Dortmund] wird gleich zu Beginn ein ermordeter Serbe in seinem Club in
Dortmund gefunden. Kurz darauf ein erschossener Kosovare, dann ein weiterer
getöteter Serbe und eine so gut wie tote Bosnierin.
Die Bosnierin heißt Maria, hat gesehen, wer die beiden Serben umgebracht
hat und wird sowohl von Kriminalhauptkommissarin Rosa Herzog (Stefanie
Reinsperger) als auch von ihrer Kollegin [2][Ira Klasnić] als glaubwürdige
Zeugin betreut und beschützt.
Seit 2024 macht Ira Klasnić alias „Frau Dingenskirchen“ (Zitat: Peter
Faber) als eiskalte und für ihre Karriere alles in Kauf nehmende
LKA-Ermittlerin dem Duo Faber/Herzog das Leben schwer. In dieser
„Tatort“-Folge soll sie aber offenbar in die Herzen der Zuschauer*innen
geschrieben werden.
Ira Klasnić, so erfahren wir, hat den bosnischen Bürgerkrieg überlebt, aber
ihre Mutter wurde von Serben verschleppt und getötet. Es stellt sich
heraus, dass der tote serbische Clubbetreiber mit diesen Verbrechen zu tun
hatte: Er wurde vom Kriegsverbrechertribunal in Den Haag wegen Verbrechen
gegen die Menschheit gesucht, da er während des jugoslawischen Bürgerkriegs
in den 1990er Jahren Lager organisiert haben soll, in denen Frauen
systematisch gedemütigt, vergewaltigt und ermordet wurden. Zwei weitere
Serben sind mit ihm angeklagt: Einer wird tot in seiner Wohnung gefunden,
der andere lebt in Belgrad, soll aber grade in Dortmund sein.
## Auch Maria bleibt blass
„Ich war schon bei Belgrad draußen“, kommentiert Rosa Herzog die
Erläuterungen von Ira Klasnić, was sie über die Hintergründe der serbischen
Verbrecher weiß. Klassiker, immer wenn ein Jugo vom Krieg erzählt, muss ein
Deutscher sagen: Das ist mir zu kompliziert.
Leider ist es so, dass man als Zuschauerin tatsächlich raus ist, weil die
serbischen Männer und bosnischen Frauen keine Charaktere sind, im
Wesentlichen sind sie tot. Der eine darf am Ende noch einen Satz sagen,
bevor er dann auch stirbt, und auch Maria bleibt blass. Auch ist die
Zuschauerin raus, weil neben dieser ultraschemenhaft bleibenden
[3][Jugoslawienkrieg-Geschichte] parallel auch noch der Ausstieg von Rosa
Herzog aus dem „Tatort“ erzählt wird. Der allerdings wird das als eine
Folge aus der letzten „Tatort“-Folge erzählt: Und wer die nicht grade erst
gesehen hat, ist aufgeschmissen, da die zurückliegenden Ereignisse
ebenfalls nur schemenhaft in Erinnerung gerufen werden.
Es geht in beiden Geschichten um Vertrauen und Verrat, um Rache, um
gedemütigte Frauen, um versehrte Frauen. Doch dieser „Tatort“ wollte zu
viel, deutet zu viel an und erzählt am Ende nichts wirklich. Unfreiwillig
komisch: Auf den Wänden des Clubs, in dem der erste tote Serbe gefunden
wird, wabert auf ganzer Fläche ein künstlich animiertes, riesiges
Flammenmeer.
Dieser „Tatort“ fühlt sich dementsprechend an, als stünde man 90 Minuten in
so einem Inferno, sei ihm hilflos ausgeliefert. Schade, es hätte
ausgereicht, die Geschichte von Rosa Herzog zu erzählen, statt auch noch
mit viel Jugoblei den Übergang zur mutmaßlich neuen Partnerin von Faber,
Ira Klasnić, aufzutischen.
22 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.ardmediathek.de/sammlung/tatort-aus-dortmund-oder-faber-und-herzog/a7eed770-0905-4ef4-86ce-1055c5b33236
(DIR) [2] /Wenn-die-Mordermittlerin-undercover-ins-Frauenhaus-geht/!6089885&s/
(DIR) [3] https://www.youtube.com/watch?v=60vZ8x7WBlA
## AUTOREN
(DIR) Doris Akrap
## TAGS
(DIR) Wochenendkrimi
(DIR) Jugoslawien-Krieg
(DIR) Tatort
(DIR) GNS
(DIR) Abkommen von Dayton
(DIR) Wochenendkrimi
(DIR) Tatort
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) 30 Jahre Dayton-Abkommen: „Es ist nie gut für Gespräche, wenn gleichzeitig getötet wird“
Mit dem Dayton-Abkommen endete 1995 der Bosnienkrieg. Der US-Amerikaner
Christopher Hill nahm an den Verhandlungen teil. Was man aus ihnen auch für
die Ukraine lernen kann.
(DIR) Neuer Dortmund-„Tatort“: Die Macht der manipulativen Kamera
Vom Plot her kein ungewöhnlicher Tatort: Herausragend aber, wie die Kamera
dafür sorgt, dass das Misstrauen im Dortmunder Dezernat auch uns erfasst.
(DIR) Neuordnung im Dortmund- „Tatort“: Erzählstränge für alle
Nach seiner Auszeit wirkt Kommissar Faber noch grauer. Dann gibt es erst
einen, dann noch einen Toten und schließlich einen Zeugen im Wachkoma.