# taz.de -- Im Berliner Tierpark sind zwei Brillenbärenbabys zur Welt gekommen
(IMG) Bild: Brillenbärenweibchen Tinka mit ihren Brillenbären-Jungtieren am 5. Februar im Tierpark Berlin
Über wenigstens eines herrscht derzeit Einigkeit: Die Stimmung ist
schlecht, die Leute sind seltsam gereizt. Also beruhigen wir uns alle mal
ein wenig und stellen uns – einen Bären vor. Besser noch ein Bärenbaby.
Noch besser zwei davon. Mehr Beruhigung geht eigentlich gar nicht. Wir
danken also dem T[1][ierpark] Berlin [2][für die Wohlfühlnachricht], dass
dort gerade zwei Brillenbärenbabys zur Welt gekommen sind. Extremer
Kuschelfaktor mit Stabreim, was will man mehr?
Zumal der Brillenbär unter den Bären ein besonders sympathischer
Zeitgenosse ist. Er zuckelt gemütlich und ganz für sich durch die
südamerikanischen Anden, als einziger Bär Südamerikas. Er ist gutmütig und
ernährt sich überwiegend von Pflanzlichem. Nur zu besonderen Anlässen lässt
er sich mal einen Festtagsbraten schmecken.
Der Brillenbär sieht ausgesprochen bärig aus, nur mit kürzerer Schnauze,
denn er ist der einzige Vertreter der Kurzschnauzenbären. Das weiße Fell
rund um die Augen, die Brille, unterstreicht im scharfen Kontrast zum
pechschwarzen Pelz den herzigen Eindruck. Fast zwei Meter wird er lang und
bis zu 175 Kilo schwer, zumindest als Männchen. Die Weibchen bleiben um
etwa ein Drittel kleiner, was aber immer noch einen ordentlichen Bären
abgibt, weshalb der Brillenbär als erwachsenes Tier keine natürlichen
Feinde hat. Das trägt zu einem ruhigen Wesen natürlich bei. Ein paarmal im
Jahr überkommt es ihn, dann fordert die Romantik ihr Recht, Bärin und Bär
finden einander, haben Spaß miteinander und gehen fortan wieder getrennte
Wege.
Das Ergebnis sind 25 bis 35 Zentimeter lange und keine 400 Gramm schwere
Brillenbärenbabys, wie sie gerade in Berlin geboren wurden. Die bisher noch
namenlosen Kleintiere bleiben etwa drei Monate in ihrer gemütlichen
Bärenhöhle, bevor Mutter Tinka ihnen die Welt da draußen, immerhin Berlin,
allmählich zuzumuten wagt.
Die Bärenzwillinge sind auch deshalb eine gute Nachricht, weil es dem
Brillenbären in der Natur nicht gut geht. Sein Lebensraum wird durch
Landwirtschaft, Entwaldung und Bergbau immer knapper, längst gilt die Art
auf der Roten Liste als gefährdet, der Bestandstrend weist steil nach
unten. Hinzu kommt, dass Menschen Bären vor allem dann niedlich finden,
wenn sie nicht über den heimischen Acker trotten und sich den
Festtagsbraten nicht im eigenen Dorf holen – man denke nur an die
Aufregung, die jedes Gerücht von einem [3][Braunbären in Bayern]
verursacht. Vor allem deshalb werden Brillenbären bis heute gejagt.
Inzwischen gibt es aber eine ganze Reihe von Bemühungen zur Einrichtung und
Vergrößerung von Schutzgebieten, die dem Brillenbären langfristig das
Überleben sichern sollen. Artenschützer sorgen mit finanzieller
Unterstützung von internationalen NGOs und Zoos für eine Entschärfung der
Mensch-Bären-Konflikte vor Ort. Und damit dann, wenn hoffentlich alles
wieder besser eingerichtet ist, noch genug Brillenbären da sind, haben sich
mehrere Zoos zusammengetan, um eine Erhaltungszucht für Brillenbären
aufzulegen.
Auch der Berliner Nachwuchs gehört zu diesem Programm, Papabär Bernardo
wurde erst im Dezember aus England geholt. Ein südamerikanischer Bär aus
England? Klingt wie ein neuer Kinofilm „Paddington in Berlin“. Genug
Abenteuer gäbe es da ganz bestimmt zu bestehen. Aber mit den vereisten
Bürgersteigen in der Hauptstadt sollte ein Bär aus den Anden ja eigentlich
gut zurechtkommen. Heiko Werning, Berlin
6 Feb 2026
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