# taz.de -- Der Bullshit-Wort-Check Folge 16: „Machtwort“
       
       > Was taugt dieser Begriff für das Verständnis der Gegenwart? taz FUTURZWEI
       > testet Standards des politischen Sprechens. Heute: Machtwort.
       
 (IMG) Bild: Hat mit einer aufgeklärten, liberalen Gesellschaft nichts zu tun: Cäsarismus und Machtworte
       
       [1][taz FUTURZWEI] | Ein sogenanntes „Machtwort“ wurde und wird besonders
       gern auch von [2][Kanzlern] verlangt, gerade auch von uns
       liberaldemokratischen Medien.
       
       Was befremdlich ist, denn als alleinige Entscheidung eines
       Verantwortungsträgers, die keinen Widerspruch mehr zulässt, hat das
       Machtwort etwas Cäsarenhaftes und Autoritäres. Der vorletzte Kanzler
       [3][Olaf Scholz] etwa wurde angesichts seiner einigungsskeptischen
       Koalition mehrfach zu einem Machtwort aufgefordert, sei es die Frage von
       Taurus-Lieferungen oder dem Termin für das Abschalten der letzten
       [4][Atomkraftwerke].
       
       Einmal ließ Scholz sich dazu hinreißen, zu sagen: „Ich bin der Kanzler, und
       deshalb gilt das“. Kategorisch verstanden steht das im völligen Gegensatz
       zum Grundgesetz, zur parlamentarischen Demokratie und zur konsensualen
       Kultur, die auf repräsentative Mehrheiten, Argumente und Kompromisse setzt.
       
       Der Kanzler kann laut Grundgesetz maximal seine „Richtlinienkompetenz“ zum
       Einsatz bringen, das heißt, eine Grundlinie vorgeben. Das passiert so gut
       wie nie.
       
       ## Anflehen und Entscheiden
       
       Aber warum wird in einer liberal-emanzipatorisch fortgeschrittenen
       Gesellschaft überhaupt ein Machtwort gefordert? Antwort: Weil in einer
       Situation beim Fordernden der Eindruck entstanden ist, es sei jetzt
       wirklich genug geredet.
       
       Gerade auch in flachhierarchische Zusammenhängen ist das eine Reaktion,
       wenn man lange ohne Ergebnis rumgestritten hat und alles mehrfach gesagt
       wurde und alle so erschöpft sind, dass jetzt einfach eine oder einer
       entscheiden soll, ob es bei der Weihnachtsfeier nun Tomaten- oder
       Gurkensalat gibt oder beides oder nochmal was ganz anderes.
       
       Doch Obacht: Erfolgt in solch liberalen Zusammenhängen tatsächlich ein
       Machtwort, muss sich der darum Angeflehte schon bald darauf gefasst machen,
       als autoritärer Entscheider dafür allerstrengstens ausgeschimpft zu werden.
       
       Habermasianisch, also dass das bessere Argument akzeptiert wird, war das
       Machtwort nie. Und genau deshalb ist es leider geopolitisch auf der Höhe
       der Zeit. Zunehmend entscheidet nicht das Argument, sondern die
       (militärische) Macht, etwas durchzusetzen. Also das Machtwort, das mit
       einer Machtbombe daherkommt.
       
       🐾 Lesen Sie weiter: Dieser Text erschien zuerst in der Ausgabe N°35 unseres
       Magazins taz FUTURZWEI mit dem Titelthema „Das Wohnzimmer der Gesellschaft“
       – [5][erhältlich im taz Shop].
       
       4 Feb 2026
       
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