# taz.de -- momentaufnahmen: Wenn es ruhig auch etwas mehr sein darf
Soll ich schieben?“, frage ich den Einbeinigen im Rollstuhl, der an der
Anhöhe vom Hamburger Rathausmarkt zur Einkaufsmeile Mönckebergstraße
scheiterte.
„Okay, aber Geld wäre mir lieber“, knurrt er.
Während ich ihn die Straße hinaufschiebe, klagt er sein Leid: Die Leute
zahlen 6 Euro für einen Kaffee, aber würden ihn, den Obdachlosen, mit ein,
zwei Münzen abspeisen. So unfair!
Erst wollte ich widersprechen – einen kleinen Unterschied gibt es
schließlich, ob jemand sich selbst etwas kauft oder das Geld weggibt. Aber
warum nicht Schnorren als Dienstleistung betrachten? Der Einbeinige und
alle anderen, die auf der Straße um Geld bitten, bieten die Chance, ein
bisschen zu helfen und sich gut zu fühlen.
Auf der Hügelkuppe sage ich also großzügig: „Ich schau mal, ob ich ein paar
Euro habe.“ Der Mann verzieht unwillig das Gesicht. „Ein paar? Können auch
10 oder 20 sein.“
Wenn Schnorren eine Dienstleistung ist, dann kommt es auch auf die Art der
Ausführung an. Und für meine Begriffe ging diese Performance in die Hose.
Ich grätze zurück und am Ende kriegt er gar nichts – bis auf die Tour die
Anhöhe hinauf. Immerhin habe ich ihn so ins perfekteSchnorrerrevier
gebracht.Esther Geißlinger
14 Feb 2026
## AUTOREN
(DIR) Esther Geißlinger
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