# taz.de -- szene: Die Berlinale ruft
(IMG) Bild: Die Berlinale 2026: Bald geht's los
VonHenning Brüns
Meine Tochter ist zu Besuch. Wie jedes Jahr im Februar. Wegen der
Filmfestspiele. Berlin ist sonst kaum zu verkraften in dieser trüben Zeit.
Wir sitzen beim Abendessen. „Bitte Paps, ich möchte endlich in einen
Eröffnungsfilm.“ Ihr Lächeln spricht für sich. Ich sei der beste Paps der
Welt, will sie mir sagen. Immerhin darf ich mir das einbilden. Aber wenn
ich an Karten für den Eröffnungsfilm kommen will, genügt die Einbildung
nicht. Da ist echte Manpower gefragt.
Allerdings muss ich meine verletzlichen Vatergefühle unter Kontrolle
bekommen. Wenn ich versage, versage ich nicht als Vater. Damit das klar
ist. Am nächsten Morgen um zehn beginnt der Vorverkauf. Nur online
natürlich. Wie alles andere im richtigen Leben. Meine Tochter schläft noch.
Schließlich will sie sich erholen. Sie vertraut mir völlig. Ist sie nicht
wunderbar? Selbstredend habe ich die Lage im Griff. Viertel vor sitze ich
am Rechner und mache mich schlau.
„No Good Men“ heißt der Film. Hauptfigur ist die einzige Kamerafrau bei
Kabul TV. Sie ist überzeugt: Es gibt keine guten Männer. Ich verstehe.
Klingt interessant. Irgendwie. Meine Tochter wird begeistert sein. Sie mag
Filme, in denen Männern ihre Autophilie gespiegelt wird. Nur noch eine
Minute.
Ich fühle mich wie ein Rennpferd vor dem Start. Die Nüstern schäumen. Doch
ich muss cool bleiben. Tief durchatmen. Ich fühle mich topfit. Ich kann
jederzeit losschlagen. Der Espresso ist kalt. Igitt! Ausgerechnet jetzt.
Noch fünf Sekunden … Auf die Plätze, fertig … Aber hey, was soll das? Das
Kreiseln des Cursors macht mich kirre. Hört das irgendwann wieder auf?
Warum geht es nicht weiter? Ausverkauft? Was soll das heißen? Meine Tochter
kommt ins Arbeitszimmer, zeigt mir lässig das Display ihres Smartphones.
War total easy, sagt sie noch verschlafen und stellt mir einen frischen
Espresso hin. Henning Brüns
5 Feb 2026
## AUTOREN
(DIR) Henning Brüns
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