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       Kreuzberg 36, irgendwann Ende der 1990er. Ich stehe vorm „Search & Destroy“
       am Heinrichplatz, der jetzt Rio-Reiser-Platz heißt, und rauche eine
       Zigarette. Prince Denmark, die Blauen. Nicht wirklich Pause, aber es ist
       nichts los, und so stehe ich auf den Stufen vor dem Laden und vertreibe mir
       die Zeit rauchend und warte auf Kundschaft. Heute ist wieder einer dieser
       Tage, an denen bisher kaum etwas verkauft wurde, aber man weiß ja nie.
       
       Es ist Sommer, hier und da flanieren ein paar Leute über den Platz. An der
       Ampel steht der 129er-Doppeldeckerbus und wartet auf Grün.
       
       Am Achteck-Imbiss ist – wie eigentlich immer – eine wirklich lange
       Schlange. Die Leute stehen nach Sandwiches an. Ich überlege, ob ich jetzt
       auch Hunger habe. Aber dann müsste ich kurz den Laden zumachen, und, wenn
       aber genau dann jemand etwas kaufen will? Hm, ich entscheide mich erst
       einmal gegen das aufkommende Hungergefühl und verzögere stattdessen meine
       Zigarette noch ein bisschen.
       
       Kurz darauf kommen zwei, ich würde sagen, recht speziell sommerlich
       gekleidete Damen um die Ecke in meine Richtung. Beide in kurzen,
       laut-bunten Kleidern. Schminke, auffällig viel. Aufgebrezelt, so um die
       Ende Vierzig. Sie unterhalten sich, während sie an mir vorbeigehen. Sagt
       die eine so zur anderen: „Ick hab da so’n neuet Shampoo entdeckt, is super
       und auch voll jesund für die Haare!“. Die andere so: „Echt jetze?“ „Ja voll
       – auch so mit ethische Öle!“.
       
       Meine Zigarette ist bald aufgeraucht. Ich grinse nun breit vor mich hin,
       schaue den Zweien etwas verwirrt-belustigt hinterher und beschließe, mir
       jetzt vielleicht doch ein Mozzarella-Sandwich vom Achteck zu holen.
       
       Christian Rothenhagen
       
       2 Feb 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Christian Rothenhagen
       
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