# taz.de --
Ich warte an der Hauptstraße in Schöneberg auf den verspäteten M48er-Bus.
Es ist spät, kalt und es regnet, sodass ich mich am liebsten irgendwo
verkriechen würde. Aus der Dönerbude riecht es nach Hähnchenfleisch und
Fett, und nicht weit von mir stehen zwei Männer mit sehr kuschligen
Fellkappen. Sie haben beste Laune und kippen abwechselnd Schnaps aus
kleinen Flachmännern und nehmen danach zum Runterspülen einen Schluck
Dosenbier. Ihr Gespräch handelt von der Zukunft Europas.
Sie fachsimpeln über die Beziehungen der USA, Russlands und Chinas. Es geht
um die neue Weltordnung, die Zeitenwende, und sie überlegen, was unter
diesen Umständen aus Europa werden soll.
Ziemlich komplex das Thema, wenn man schon so angetrunken ist, finde ich,
und warte gespannt auf die Antwort. Der mit der braunen Fellkappe schwankt
jetzt ziemlich, als er seinem Kumpel zuruft: „Fraach doch einfach die KI.
Fraach die einfach!“
Der andere zückt sein Handy und liest während der Eingabe stockend, aber
laut: „Was passiert mit Europa?“ Dann starrt er eine Weile stumm auf sein
Handy, tippt noch etwas, steckt sein Handy wieder in die Hosentasche und
holt eine weitere kleine Flasche Schnaps hervor.
„Wie und nu?“, fragt der mit der braunen Fellkappe. „Wat hat se denn
jesagt?“ Der mit der grauen Kappe winkt ab: „Willste nich wissen. Hilft ja
eh nüscht.Der Text war ooch so lang.“ Der andere nickt und guckt auf die
Straße, hat aber noch einen Einwand: „Aber was haste denn noch am Ende
gefragt?“
Die graue Fellkappe hebt einen Finger, lächelt und nuschelt: „Hab mich nur
bedankt. Die KI speichert doch alles ab, und wenn se irgendwann die
Weltherrschaft übernimmt, weiß se direkt, dass icke immer freundlich zu ihr
war!“ Ich lache auf, tue aber schnell so, als hätte ich etwas sehr Lustiges
im Handy gesehen.
Isobel Markus
3 Feb 2026
## AUTOREN
(DIR) Isobel Markus
## ARTIKEL ZUM THEMA