# taz.de -- Langlebigkeitsforschung: Wie groß der genetische Anteil am Altern wirklich ist
> Wie alt wir werden, liegt stärker in den Genen als gedacht. Eine neue
> Zwillingsstudie stellt frühere Annahmen infrage.
(IMG) Bild: Rund 50 bis 55 Prozent der Unterschiede in der menschlichen Lebensspanne könnten wohl genetisch erklärbar sein
Warum werden manche Menschen sehr alt und andere nicht? Diese Frage
[1][beschäftigt die Menschheit]. Lange ging die Forschung davon aus, dass
Gene dabei nur eine Nebenrolle spielen. Entscheidender seien Lebensstil,
Umweltbedingungen oder auch die soziale Lage, gemeint sind damit etwa der
Zugang zu schadstoffarmer Luft, [2][sauberem Trinkwasser] und zur Natur,
eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung. Doch nun stellt [3][eine
neue Studie] die bisherige Gewichtung infrage.
## Die Studie
Ein internationales Forschungsteam hat Daten aus Zwillingsstudien in
Schweden und den Vereinigten Staaten neu analysiert. Untersucht wurden
mehrere Tausend Zwillingspaare, geboren zwischen dem späten 19. und dem
frühen 20. Jahrhundert. Da eineiige Zwillinge genetisch fast identisch
sind, können Forscher durch den Vergleich ihrer Lebensdauer und
Todesursachen Rückschlüsse zum genetischen Anteil ziehen.
Anders als frühere Arbeiten betrachteten die Forschenden in dieser Studie
aber nicht nur das tatsächliche Sterbealter, sondern unterschieden zwischen
zwei Arten von Todesursachen: intrinsische und extrinsische. Äußere
Todesursachen können Menschen in jedem Alter treffen – etwa ein
Verkehrsunfall oder eine Infektionskrankheit – und haben wenig mit
genetischer Veranlagung zu tun. Werden sie nicht herausgerechnet, erscheint
der Einfluss von Umweltfaktoren größer, als er für den biologischen
Alterungsprozess tatsächlich ist.
Mit einem mathematischen Modell isolierte das Team deshalb die sogenannte
intrinsische Mortalität, also die Sterblichkeit, die auf das Altern und
altersbedingte Erkrankungen zurückgeht. Das Ergebnis: Rund 50 bis 55
Prozent der Unterschiede in der menschlichen Lebensspanne könnten wohl
genetisch erklärbar sein. Das ist deutlich mehr als frühere Schätzungen,
die von 20 bis 25 Prozent ausgegangen waren.
## Was bringt’s?
„Innerhalb dieser biologischen Grenzen bleibt jedoch großer Spielraum“,
kommentiert die Biologin Chiara Herzog vom King’s College London die neue
Studie [4][gegenüber dem Science Media Center]. Die Ergebnisse bedeuten
folglich nicht, dass unser Lebensalter genetisch festgelegt ist. Die
berechnete Erblichkeit ist ein statistischer Wert für Populationen, keine
Vorhersage für einzelne Menschen. Auch für den Alltag ändert sich wenig.
Lebensstil und soziale Faktoren bleiben relevant. „Die Ergebnisse dieser
Arbeit werden mich definitiv nicht dazu bringen, [5][wieder zu rauchen]“,
sagt Steve Hoffmann, Bioinformatiker am Leibniz-Institut für
Alternsforschung in Jena.
Für die Forschung können diese Ergebnisse dennoch wichtig sein. Sie zeigen,
dass frühere Studien den genetischen Einfluss möglicherweise unterschätzt
haben, weil sie äußere Todesursachen nicht ausreichend berücksichtigt
haben. Langfristig könnte das helfen, [6][die biologischen Prozesse des
Alterns besser zu verstehen].
11 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Lang-leben-mit-Wunderpillen/!6110361
(DIR) [2] /Trinkwasser-wird-teurer/!6136553
(DIR) [3] https://www.science.org/doi/10.1126/science.adz1187
(DIR) [4] https://www.sciencemediacenter.de/angebote/lebenserwartung-wie-viel-einfluss-haben-die-gene-26023
(DIR) [5] /Kinder-fragen-die-taz-antwortet/!6121527
(DIR) [6] /Altersforschung/!5970995
## AUTOREN
(DIR) Rumeysa Ceylan
## TAGS
(DIR) Schönheitsideale
(DIR) Simone de Beauvoir
(DIR) Rente
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