# taz.de -- Wie geht’s? – Muss!: Macht KI kritikunfähig?
       
       > Hirnlose Antworten, unauffällige Fehler und Verfehlen des Themas: Unsere
       > Redakteurin Nisa schreibt in der taz lab Kolumne #4 über ihre Gedanken zu
       > KI.
       
 (IMG) Bild: KI beeinflusst die Kritikfähigeit, meint unsere Autorin
       
       [1][taz lab] | Künstliche Intelligenz nervt. Die Antworten der
       [2][Chatbots] wirken auf mich immer eher künstlich als intelligent, sind
       zwanghaft freundlich und unnatürlich zuvorkommend. Sie haben immer eine
       Antwort parat – zu meiner Frage passend oder nicht – und schlagen
       mindestens zwei weitere praktische Dienste vor, die sie mir erweisen
       können.
       
       Damit erinnern mich KI-Chatbots an das, was ich in der Schule zu
       Impro-Theater gelernt habe: Ideen von Mitspieler*innen grundsätzlich
       anzunehmen und weiterzuentwickeln, ohne nachzudenken. Was für Theater
       funktioniert, frustriert mich im Umgang mit [3][künstlicher Intelligenz]
       extrem. Wenn ich um Feedback zum Einleitungskapitel meiner Bachelorarbeit
       bitte, möchte ich eine kritische Einschätzung dessen, was ich geschrieben
       habe. In 99 Prozent der Fälle verfehlt der Chatbot seinen Auftrag und gibt
       mir eine Antwort, die zwar mein Ego streichelt, mich aber nicht
       voranbringt. „Kannst du mal Klartext mit mir reden?!“, denke ich dabei viel
       zu oft.
       
       ## Wirklich nett?
       
       Nicht alle, aber die Mehrheit der Personen, mit denen ich gesprochen habe,
       schätzen den eifrigen und entgegenkommenden Ton der Chatbots, „ist doch
       nett“. Damit lässt sich auch gut über die kleinen Unaufmerksamkeiten und
       Fehler hinwegsehen, die manchmal erst beim dritten Lesen auffallen. Was
       sagt es über uns Menschen aus, dass wir künstliche Intelligenz dazu erzogen
       haben, uns nur das zu erzählen, was wir hören wollen? Wir haben ein
       [4][Selbstwertproblem], warum sonst sollten wir so viel Zuspruch brauchen –
       und sogar von hirnlosen Maschinen so dankbar annehmen?
       
       Ich frage mich, was das für unser Miteinander bedeutet. Werden wir uns im
       zunehmenden Umgang mit KI-Chatbots daran gewöhnen, dass unser Gegenüber
       unsere Perspektive immer „sehr interessant“ und „echt gut, wirklich!“
       findet? Und was ist, wenn es das mal nicht tut?
       
       Hier schreiben unsere taz-lab-Redakteur*innen wöchentlich übers
       Tachelesreden.
       
       6 Feb 2026
       
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