# taz.de -- Lachen gegen dunkle Zeiten: Was wir gewinnen, wenn der Humor zurückkommt
> Empowerter Humor hat marginalisierte Communitys sichtbar und stark
> gemacht. Doch zurzeit wird selbst das Lachen vorsichtig – und das ist ein
> Verlust.
(IMG) Bild: Empowerter Humor hat sich vom white gaze befreit
Schlechte Zeiten sind gute Zeiten für Galgenhumor. Trotzdem ist niemandem
so richtig zum Lachen. Alle sind gerade sehr empfindlich. Das ist
nachvollziehbar. Aber auch sehr traurig – denn seit fast 20 Jahren hat eine
Sache viel Spaß gemacht und so viel über die Entwicklung der Gesellschaft
und das neue Selbstvertrauen in marginalisierten Communitys erzählt: ihr
Humor.
In der Mainstream-Comedy wurden [1][endlich Frauen erfolgreich, die
beobachtenden und gesellschaftskritischen Humor präsentierten] – statt
Witze über sich und ihre Körper. Schwarzer Humor hat sich auf besondere
Weise verändert: 2008 erschien „Deutschland schwarz-weiß“ von Noa Sow. Die
Popularität des Buchs hat klassische Pointen und Running Gags aus der
[2][aktivistischen Schwarzen Community], die bei Spoken Word- und
Poetry-Abenden enstanden, einem breiteren Publikum bekannt gemacht.
Lustig gemacht wurde sich damals hauptsächlich über die weiße
Mehrheitsgesellschaft. Über Colonizer, die um die Welt gesegelt sind, um an
Gewürze zu kommen und immer noch nicht in der Lage sind, ihrem Essen etwas
anderes hinzuzufügen als Salz, Pfeffer und eine Prise Paprika. Über weiße
Leute, die nicht tanzen können oder die einfachsten Namen nicht
aussprechen, wenn es sich dabei nicht um Mayer, Meyer oder Mayr handelt.
Dieser Perspektivwechsel war empowernd. Aber der Humor war noch nicht
empowert. Er wurde erst im Laufe der Jahre politischer und bissiger. So
wurde eindeutig bewiesen, dass man wunderbare Witze über Rassismus machen
kann, ohne rassistische Witze zu machen. Und spätestens 2020 mit Black
Lives Matter auch als ein Tool, um strukturellen Rassismus und rassistische
Polizeigewalt zu verarbeiten.
So entstand auch etwas, das ich hier „empowerten Humor“ nenne: weil sich
der Humor nicht nur von der weißen Mehrheitsgesellschaft als Thema, sondern
auch vom white gaze befreit hatte. Das Selbstvertrauen Schwarzer Menschen
und anderer PoC in Deutschland war so groß, dass man Witze über sich selbst
machen konnte. Beobachtende Comedy über Phänomene und Stereotype innerhalb
der Communitys. Mit einem Blick, den nur Insider haben können und manchmal
auch nur Insider verstehen.
## Auf die Kacke hauen
Der nächste Schritt – hier freue ich mich besonders – ist ein
„Crossover-Humor“ Marginalisierter. Diese besondere Witzigkeit, die
entsteht, wenn queere Comedy auf den Humor behinderter Menschen trifft und
sich mit dem Witz von PoC verbindet. Ich hoffe sehr, wir können Raum dafür
schaffen. Denn mit dem rechten Kulturkampf und der Bedrohung durch
Rechtsextremisten verschwinden die Voraussetzungen dafür. Theater,
Fernsehsender und Zeitungen geben den Stimmen von Minderheiten immer
weniger Raum.
Der Hass auf Social Media ist so groß, dass viele sich zurückziehen. Vor
allem aber wird das Selbstbewusstsein kleiner. Es wird immer schwerer, über
sich selbst zu lachen, wenn genau dieses Selbst bedroht ist. Und es ist
härter, einen Witz zu machen, wenn man weiß, dass den Menschen um einen
herum nur noch zum Heulen zumute ist.
Auch diese Kolumne ist inzwischen sanfter und erklärender geworden. Denn
auch ich möchte, dass man mit mir sanfter umgeht. Gleichzeitig hätte ich
aber auch viel mehr Lust, hier auf die Kacke zu hauen. Denn ich kann mit so
vielem, das gerade passiert, besser umgehen durch einen derben Spruch oder
zynischen Witz.
30 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Simone Dede Ayivi
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