# taz.de -- Handball-EM: Des Trainers Lernfortschritt
> Die deutschen Handballer haben das entscheidende Spiel gegen Spanien
> überzeugend gewonnen. Nach Juri Knorrs Kritik nutzten sie die Krise als
> Chance.
(IMG) Bild: Wieder mit dem Bundestrainer versöhnt: Juri Knorr
Er ist erst 25 Jahre alt, aber es ist schon sein sechstes Turnier für den
Deutschen Handballbund (DHB). Sicher, das liegt an der inflationären Anzahl
an Turnieren im Handball. Aber auch daran, dass Julian Köster eine
bemerkenswerte Frühreife zeigte und von [1][Bundestrainer Alfreð Gíslason]
noch im November 2021 als Zweitligaspieler des VfL Gummersbach zur
Nationalmannschaft eingeladen wurde.
Nun gehört Köster zu den Unverzichtbaren beim DHB. Er entstammt der
seltenen Spezies der Spielmacher, die auch in der Innenverteidigung spielen
können. Dort wird gegen 120-Kilogramm-Männer bis zur Erschöpfung
geschuftet.
[2][Gíslason] liebt seinen Musterschüler wegen dieser Vielseitigkeit. Er
würde ihn am liebsten immer spielen lassen. Das stößt aber zum einen mit
den endlichen physischen Fähigkeiten Kösters zusammen, zum anderen mit
einem Kader, der mehr gute Spieler als je zuvor bereithält.
Daraus wurde nach der [3][Vorrundenniederlage gegen Serbien] am Samstag ein
bedrohliches Szenario. Kösters Platzkonkurrent Juri Knorr kritisierte den
Bundestrainer, weil er ihn, Knorr, zu wenig, und andere zu viel habe
spielen lassen – ohne Namen zu nennen. Fußballgleiche Boulevarddimensionen
erlebte der Handball plötzlich inmitten [4][dieser Europameisterschaft] in
Dänemark, Schweden und Norwegen.
## Krise als Chance
Doch statt das Team zu spalten und zu schwächen, sprach sich die Mannschaft
intern aus und machte aus der Krise eine Chance – voller Fokus aufs nächste
Spiel gegen Spanien. Das gewann [5][Gíslason]s Gruppe am Montagabend in
Herning überzeugend 34:32 und steht nun in der Donnerstag beginnenden
Hauptrunde mit den wahrscheinlichen Gegnern Dänemark, Norwegen, Portugal
und Frankreich.
So berechtigt die Kritik an seinem Spielermanagement am Samstag war, so gut
machte es [6][Gíslason] zwei Tage später – jeder Wechsel passte.
Angeflanscht an die inzwischen erfahrene Achse Köster–Knorr–Uščins konnten
die anderen glänzen, weil diese drei einen sahnigen Abend erlebten: Köster
(25, sechs Tore aus zehn Versuchen) spielte mutig und kraftvoll, Knorr (25,
fünf Tore aus zehn Versuchen) leitete umsichtig an, Uščins (23, acht Tore
aus zehn Versuchen) traf, wie er wollte.
Knorr hatte öffentlich mehr Spielzeit gefordert. Die bekam er. Er füllte
jede einzelne Minute beherzt und umsichtig aus. Er nutzte später die
Gelegenheit, ein vermeintliches Zerwürfnis zwischen ihm und [7][Gíslason]
um zu wenig Einsatzminuten auszuräumen: „Das war ein Nichtthema. Ich habe
ihn darauf angesprochen und gesagt, dass ich ihn nicht kritisieren wollte.
Das war gar kein Problem. [8][Alfreð] war nicht in seinem Ego gekränkt. Das
hat mir als Mensch geholfen.“ [9][Gíslason] bestätigte dies: „Er kam nach
dem Serbien-Spiel zu mir. Aus seinem Interview wurde ein halber Satz
rausgenommen. Ich hatte überhaupt kein Problem damit.“
## Halbfinale als Ziel
Selbstbewusst hatte das Team vor dem Turnier das Halbfinale als Ziel
ausgegeben. Und so spielte es auch. Über 7:5 und 12:9 ging es zur
17:15-Pausenführung. Spanien ist im Umbruch, die Dujshebaev-Brüder nach
vielen Verletzungen und seit Jahren im Dauereinsatz nicht mehr frisch wie
früher, und – ein ganz entscheidender Punkt: Bundesliga-Souverän Sergey
Hernández (SC Magdeburg) im Tor fasste praktisch keinen Ball an. Trotzdem
kamen die Spanier in der 48. Minute auf 25:24 heran. Die deutsche Abwehr –
nun mit David Späth im Tor – wurde müde, hatte Lücken. Das Spiel kippte
aber nicht, weil es vorn konzentriert und zielstrebig weiterging. Uščins,
Köster, Knorr, alle trafen.
Das große Aufatmen vom Dienstagmorgen ging direkt in Vorfreude über. Denn
nun warten die Hochgeschwindigkeitsartisten in Rot und Weiß vor 15.000 Fans
in (weitgehend) gleichen Farben auf die Deutschen. „Gegen Dänemark sind wir
der große Underdog“, sagte Knorr. Er spielt seit Sommer 2025 bei Aalborg HB
zwei Autostunden weiter nördlich: „Das ist ja jetzt mein Heimpublikum im
vergangenen halben Jahr. Für uns ist selbst bei einer Niederlage nichts
verloren. Wir hatten das Glück auf unserer Seite.“
Glück war in diesem Falle eine Chiffre für Österreich: Der südliche Nachbar
hatte Serbien bezwungen; die Deutschen kegelten die Südosteuropäer dann aus
dem Turnier. So nimmt die DHB-Auswahl zwei Punkte aus dem Spanien-Spiel in
die nächsten vier Partien mit. Manches spricht dafür, dass die Partie am
28. Januar gegen Frankreich zu einer Art Viertelfinale wird – davon
ausgehend, dass die Dänen als Gruppenerste ins Halbfinale kommen. Dass die
Deutschen in der Verlosung bleiben, liegt an Julian Köster. Und an
[10][Alfreð] [11][Gíslason]s Lernfortschritt.
20 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Handballtrainer-Alfred-Gislason/!5827838
(DIR) [2] /Handballtrainer-Alfred-Gislason/!5827838
(DIR) [3] /was-alles-nicht-fehlt/!6142390/
(DIR) [4] /Deutsche-Handballer-vor-der-EM/!6145501
(DIR) [5] /Handballtrainer-Alfred-Gislason/!5827838
(DIR) [6] /Handballtrainer-Alfred-Gislason/!5827838
(DIR) [7] /Handballtrainer-Alfred-Gislason/!5827838
(DIR) [8] /Handballtrainer-Alfred-Gislason/!5827838
(DIR) [9] /Handballtrainer-Alfred-Gislason/!5827838
(DIR) [10] /Handballtrainer-Alfred-Gislason/!5827838
(DIR) [11] /Handballtrainer-Alfred-Gislason/!5827838
## AUTOREN
(DIR) Frank Heike
## TAGS
(DIR) Handball-EM
(DIR) Handball
(DIR) Spanien
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Handball-EM
(DIR) Handball
(DIR) Hannover
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Deutsche Handballer vor der EM: Frischer und lustvoller
Das deutsche Team erwartet ein kompliziertes EM-Programm. Vor dem Auftakt
gegen Österreich schöpft man aus der Kaderbreite Zuversicht für das
Turnier.
(DIR) Handball: Turnier als Türöffner
Die deutschen Handballerinnen kämpfen bei der Heim-WM nicht nur um Siege
auf der Platte. Sie befinden sich in einem mühsamen Gleichstellungsprozess.
(DIR) Rechtsstreit mit dem Vermieter: Zuschauerboom wird für Hannover-Burgdorf zum Problem
Die Handballer des TSV Hannover-Burgdorf wollen für ihre Heimspiele in der
1. Liga weiter die ZAG-Arena mieten. Aber der Vermieter will mehr Geld.