# taz.de -- Die Wahrheit: Echte Männertittenfreunde
> Schon gut, dass da jemand ist, wenn der schleichende Hormonverlust an
> seine männlichen Kipppunkte kommt – noch besser, es ist ein alter
> Busenfreund.
Mein Freund Robert ist für mich das, was man früher, als das Wort Busen
noch ganz neutral „Brust“ bedeutete, einen Busenfreund genannt hat. Heute
kann man das nicht mehr sagen. Es klingt anrüchig, als würde ich behaupten,
Robert sei mein Tittenfreund. Selbstverständlich haben wir beide aufgrund
des sinkenden Testosteronspiegels im Alter ein bisschen Männertitte
entwickelt, aber das definiert nicht das Wesen unserer Freundschaft. Wir
spielen uns lieber an den Synapsen herum als an den Nippeln – und das tun
wir mit Worten.
Bei Männern passiert der Hormonverlust schleichend, ähnlich wie der
Klimawandel. Und wie diesen verdrängen wir ihn, bis die Kipppunkte erreicht
sind. Ich liebe dieses Wort mit drei p, das in der deutschen Sprache
seinesgleichen sucht. Allenfalls Klapppanzer könnte ihm Konkurrenz machen.
Zwei Prozent pro Jahr sinkt die Testosteronkonzentration im Blut des
durchschnittlichen Mannes. Irgendwann, zwischen vierzig und fünfzig, wenn
sie unter fünfzig Prozent des spätpubertären Niveaus liegt, braucht er den
sprichwörtlichen Sportwagen. Wenn er ihn sich leisten kann. Wenn nicht, tut
es auch ein Tandemsprung. Beides liefert nur einen kurzen Kick.
Und anders als beim Klima hilft gegen hormonellen Haarverlust kein
Aufforstungsprogramm: Männertitte und Nasenhaare wachsen wie invasive
Pflanzen; nur die Libido schmilzt nicht wie ein Gletscher. Wie der Alkohol
steigert das Alter das Verlangen und dämpft das Tun.
## Das Männerklimakterium, es setzt zu
Es wird behauptet, dass man sich daran gewöhne und sogar lerne, darüber zu
lachen – aber das halte ich für eine Legende. Mir setzt dieses Klimakterium
– diese Mischung aus Klimawandel und Bakterium – immer wieder mehr zu, als
ich zugeben würde.
Wenn einem so zumute ist, ist es gut, einen Busenfreund zu haben –
idealerweise einen, der einem ein paar Jahre voraus ist, so wie Robert mir.
Das ist, als könnte man eine zweite Erde beobachten, die im Klimawandel
schon hundert Jahre weiter ist, und sich freuen, dass es bei einem selbst
noch nicht ganz so hoch hergeht.
Sobald ich das tue, wird Robert zum Allesleugner seinerseits, packt seinen
alten Klapppanzer aus und zieht gegen mich ins Feld. Ich verteidige mich
mit meinem Bauchansatzschild. Zwei Ritter der hormonellen Apokalypse
kämpfen gegeneinander, während die letzten Gletscher ihrer Jugend brüllend
kalben. Allerdings bleibt es eine Synapsenapokalypse – wir wollen uns ja
nicht wirklich verletzen.
Meist dauert es ohnehin nicht lange, bis wir so sehr lachen, dass ein
Endorphin-Tsunami über uns hinwegrollt und wir Haarverlust, Männertitten,
Nasenbewuchs und sämtliche anderen Kipppunkte für den Rest des Tages
vergessen. Wahre Busenkumpel eben.
21 Jan 2026
## AUTOREN
(DIR) Gisbert Amm
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