# taz.de -- Konstantin Nowotny über Demonstrationen in Leipzig-Connewitz: Innerlinkes Rollenspiel
       
       Connewitzer*innen müssen viel mitmachen, ob sie wollen oder nicht. Vor
       ziemlich genau zehn Jahren überfielen Neonazis den als links geltenden
       Stadtteil in Leipzig. Am sogenannten „Tag X“ vor zwei Jahren riegelte die
       Polizei das Viertel quasi ab.
       
       Neu ist, dass weder der Polizei noch Nazis die zentralen Rollen spielen.
       Vor einigen Wochen kündigten mehrere pro-palästinensische Gruppen an, unter
       dem Motto „Antifa means: Free Palestine“ unter anderem gegen „zionistische
       Schlägerbanden“ im Leipziger Süden zu protestieren. Ziel der Demonstration
       sollten das Büro der lokalen Linken-Politikerin Juliane Nagel und das
       soziokulturelle Zentrum Conne Island sein. Daraufhin formierte sich
       israelsolidarischer Protest, von parteilosen Antifaschist*innen bis
       hin zur Deutsch-Israelischen Gesellschaft.
       
       Beide Lager mobilisierten bundesweit und am Ende standen sich knapp 3.500
       Teilnehmer*innen gegenüber. Kurz zuvor wich die Palästinademo von ihrer
       ursprünglichen Route ab, auch, weil der zu erwartende Widerstand wohl
       größer ausfiel als angenommen. Der Protesttag in Leipzig blieb weitgehend
       friedlich.
       
       Es wäre leicht, sich über die offenkundigen Absurditäten zu amüsieren.
       Allein, die Umstände lassen es nicht zu. Im Nachbarland Sachsen-Anhalt
       droht dieses Jahr ein beispielloser AfD-Erfolg. In Thüringen wurde am
       Samstag ein neuer Jugendverband der AfD gegründet. Rechte, Konservative und
       das BSW wollen im Leipziger Stadtrat Räumen wie dem Conne Island die
       Förderung entziehen. Leipzig-Süd gilt als einer der wenigen Orte in ganz
       Ostdeutschland, wo Linke wie Juliane Nagel noch ein Direktmandat erringen
       können.
       
       Während linke Räume im Osten unter beispiellosem Druck von rechts stehen,
       wehten in Connewitz die Palästinafahnen. Das mag den Protestierenden wie
       ein Punktesieg vorgekommen, gewonnen ist aber fast nichts. Zu hoffen
       bleibt, dass diese Erkenntnis nicht erst reift, wenn jene Räume, in denen
       über den Nahen Osten gestritten werden könnte, im ganz nahen Osten
       vollständig verschwunden sind.
       
       19 Jan 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Konstantin Nowotny
       
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