# taz.de -- Und keiner merkt's: Der Durchbruch der solaren Weltwirtschaft
       
       > Der Ausbau an Erneuerbaren Energien explodiert weltweit. Warum das ein
       > Grund zum Feiern ist und vor allem in Deutschland unbedingt breit
       > kommuniziert werden muss, erklärt unser Autor.
       
 (IMG) Bild: Die Ausbaurate der Erneuerbaren ging 2025 durch die Decke
       
       [1][taz lab] | Bei ihrem Amtsantritt verbreitete Wirtschaftsministerin
       Reiche die Ansicht, dass es die [2][erneuerbaren Energien seien, die für
       den hohen Strompreis verantwortlich sind]. Deshalb sollte ihr Ausbau auch
       etwas langsamer vorangetrieben werden, und mehr Gaskraftwerke wären die
       Lösung.
       
       Umso erstaunlicher ist ihre Zwischenbilanz: Nach langen Verhandlungen mit
       der EU-Kommission hat sie vor Kurzem nun grünes Licht für jene viel
       bescheideneren Gaskraftwerkskapazitäten bekommen, die Robert Habeck bereits
       vor Jahren ausgehandelt hatte. Ergebnis: Wichtige Jahre wurden vergeudet,
       die Erneuerbarenbranche wurde verunsichert und ihre negative Sicht auf die
       Energiewende breit gestreut.
       
       ## Durchbruch erneuerbarer Energien
       
       Das ist deshalb so schräg, weil global etwas passiert, wovon viele Freunde
       der Energiewende jahrzehntelang geträumt haben. 2025 war nämlich weltweit
       der ultimative Durchbruch der Erneuerbaren. Die Ausbaurate geht durch die
       Decke. Energieexperten wie Tim Meyer sprechen von der vierten
       Energierevolution. Nach Kohle, Öl und Gas werden jetzt die Erneuerbaren den
       Laden aufmischen.
       
       Wer sich die jüngsten Zahlen anschaut, wird staunen. Rekordinvestitionen:
       Weltweit haben sich die Investitionen in Erneuerbare Energien laut den
       Zahlen der Internationalen Energieagentur (IEA) in den letzten fünf Jahren
       fast verdoppelt, angeführt von der Solarenergie. Auch die Investitionen in
       den ganz neuen Bereich der Batteriespeicher steigen rapide an und
       erreichten 2025 schon mehr als 65 Milliarden Dollar.
       
       ## Strompreise als Gegenargument
       
       Noch aber dominiert in Deutschland die negative Erzählung. Die Energiewende
       sei so unglaublich teuer wegen den Erneuerbaren. Tatsächlich übertrifft
       heute im Stromsektor bei viel Sonnenschein oder Starkwind das Angebot der
       erneuerbaren Energien bereits deutlich die Nachfrage. In solchen Phasen
       wird Strom zu niedrigen Preisen ins Ausland verkauft oder Wind- und
       Solarparks werden einfach abgestellt, wenn die Netzkapazität für den
       Transport nicht mehr ausreicht. Das führt an der Strombörse sogar zu
       negativen Strompreisen.
       
       Die Gegner der Energiewende haben deshalb ihre Erzählung geändert: Wurden
       die erneuerbaren Energien erst als Spielzeug und viel zu teuer diffamiert,
       produzieren sie heute zu viel und ruinieren die Strompreise. Noch infamer:
       Nur die Erneuerbaren sind in dieser Erzählung für gestiegene Strom- und
       Netzkosten verantwortlich. Gerade so, als ob uns nicht die [3][Abhängigkeit
       vom teuren Erdgas] die hohen Preise beschert habe und als ob die
       Elektrifizierung im Bereich Verkehr und Gebäude nicht auch ohne Erneuerbare
       zum Ausbau der Netze führen müsse.
       
       ## Weiterdenken durch Umdenken
       
       Deshalb braucht es auch die kräftige Gegenerzählung vom erneuerbaren
       Durchbruch. Und da liegt das Problem in Deutschland. Exponentielle
       Wachstumsdynamiken oder industrielle Revolutionen kommen im
       Mainstreamdenken in der deutschen Politik nicht vor.
       
       Die [4][Windenergie sei eine Übergangstechnologie], meint Friedrich Merz.
       Im Ernst? Vordenker wie der Sozialdemokrat Hermann Scheer und der Grüne
       Hans-Josef Fell, die früh die 100 Prozent Erneuerbare vorhergesagt hatten,
       waren damals in ihren Parteien Außenseiter. „Solare Weltwirtschaft“ hieß
       Scheers Buch aus dem Jahre 1999 und war sozusagen der Blaudruck der
       heutigen Entwicklung. 26 Jahre später setzt sich diese „solare
       Weltwirtschaft“ tatsächlich global durch.
       
       Das bedeutet vor allem, dass die Stromwirtschaft und ihre Geschäftsmodelle
       neu gedacht werden müssen. Ein Stromnetz mit überwiegend erneuerbaren
       Energien muss eben anders aussehen als eines mit zentralen Kraftwerken.
       Flexibilität ist in diesem System „Gold“. Und das erfordert neues Denken.
       Welche Rolle künftig Batteriespeicher oder Back-up-Kraftwerke spielen
       werden, ist dabei eine entscheidende Frage.
       
       27 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Martin Unfried
       
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