# taz.de -- Bücher bis zum Himmel
> Vor 20 Jahren wurde das Dominikanerkloster in Maastricht zur
> Buchhandlung. Manche sagen, sie sei die schönste der Welt
(IMG) Bild: Auf den begehbaren zweigeschossigen Regalkonstruktionen kommt man den restaurierten Deckenmalereien ziemlich nah
Der Buchhändler Ton Harmes ist leidenschaftlicher Liebhaber seines
Geschäftsgebäudes, des 700 Jahre alten früheren Dominikanerklosters mitten
im niederländischen Maastricht. Er hat dort 2006 einen riesigen Buchladen
eröffnet, der 74-Jährige spricht heute vom „spirituellen Inhalt als
Treibstoff“ für sein Geschäft. Mit seiner Liebe ist er nicht allein: 2007
adelte der britische Guardian seinen Boekhandel Dominicanen zur „schönsten
Buchhandlung der Welt“, sie sei „wie im Himmel erschaffen“. Das deutsche
Geo-Magazin sekundierte später: „Göttlich“. Mittlerweile, so Harmes, kämen
mehr als eine Million Menschen pro Jahr zu Besuch.
Das Besondere an der Buchhandlung sind die begehbaren zweigeschossigen
Regalkonstruktionen. Im zweiten Stock, auf gut acht Metern Höhe, öffnen
sich den Besuchern umringt von Bücherwänden immer neue Blicke ins
Kirchenschiff, und man ist den restaurierten Deckenmalereien aus dem
Mittelalter und der Barockzeit ziemlich nah. Die riesigen Regale sind aus
Eisen und 30 Meter lang. Wie Schachteln wurden sie denkmalschutzgerecht in
die gotische Halle hineingestellt und teils um die mächtigen Säulen
herumgebaut. „Wir berühren das Gebäude nicht“, sagt Harmes. Der gesamte
Raum scheint auf magische Weise gewachsen, obwohl die Regalwände so viel
Platz einnehmen. Für ihr Konzept erhielt das Amsterdamer Architekturbüro
Merkx+Girod seinerzeit den Niederländischen Innenarchitekturpreis.
Die Dominikaner sind dabei schon seit den Zeiten Napoleons raus. Im Jahr
1815 ging das Gebäude in den Besitz der Stadt über – und wurde immer nur
gelegenheitsgenutzt, mal als Konzertsaal, mal als Schlachthaus, nach dem
Krieg für den Kinderkarneval, dann als Parkhaus für Hunderte Fahrräder. Bis
Harmes die Kirche vor knapp 20 Jahren pachtete.
Der Lesetisch im alten Altarbereich hat die Form eines angedeuteten
Kreuzes. Den Cappuccino machen die Coffeelovers von Blanche Dael, einem
kleinen Maastrichter Fairtrade-Kaffeeröster. Manche rümpften die Nase,
profaner Genuss an diesem heiligen Ort? „Nein, passt“, sagt Harmes, „das
ist doch der Ort des Abendmahls.“ Etwa 170 Veranstaltungen gibt es
jährlich: Lesungen, Konzerte, Diskussionsrunden.
Die älteste Stadt der Niederlande hat noch viele andere umgenutzte
Sakralbauten – ein Naturkundemuseum, ein Info-Center der Uni und ein
Modegeschäft befinden sich heute dort. Eine frühere Kirche gleich am
Maasufer war lange eine Disco, dann eine Turn- und Fitnesshalle, später ein
Gemüsemarkt. Im benachbarten Heerlen wird eine Kirche gerade zum
Schwimmbad. Besonders spektakulär: das Maastrichter Kreuzherrenkloster von
1440, heute zum Fünfsternehotel umgebaut. Auf zwei Etagen sind im
Kirchenschiff die Restauranttische für gotteslästerliche Völlerei
untergebracht, darüber schweben wie Ufos die meterbreiten Lampen des
Münchner Lichtdesigners Ingo Maurer. 60 Betten gibt es in den
Seitenflügeln. Doppelzimmer ohne Frühstück: 206 bis 430 Euro die Nacht.
Ob es zum Trost konservativer Kirchenkreise wenigstens die Bibel bei
Buchhändler Harmes zu kaufen gebe? „Aber ja, natürlich“, sagt der, „und den
Koran und die jüdische Bibel auch.“
Bernd Müllender
10 Jan 2026
## AUTOREN
(DIR) Bernd Müllender
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