# taz.de -- Die Wahrheit: Z wie Zausel
       
       > Nach der Umbenennung der alten Kneipe Prokopop Z sitzen die verlorenen
       > Stammgäste plötzlich bei der griechischen Konkurrenz.
       
       Raimund blickte verblüfft auf die zauselbärtigen Typen, die missmutig an
       dem Tisch neben der Yuccapalme saßen. „Was machen die denn hier?“, sagte
       er, während er sich zu uns an die Theke setzte. „Ich denke, sie verachten
       das Café Gum?“ – „Tja“, grinste Theo: „Irgendwo müssen sie ja hin: Die
       Zauselbärte boykottieren die Zauselbartkneipe.“
       
       „Sie boykottieren das Prokopop Z?“ Raimund war platt. Theo grinste noch
       breiter. „Das Prokopop Z heißt nicht mehr Prokopop Z. Sondern Prokopop
       Now!“ – „Proko… was?“ – „Prokopop Now! Mit Ausrufezeichen.“
       
       „Hammer“, meinte Raimund. „Der alte Chuck hat den Laden seinen Enkeln
       überschrieben“, erklärte Luis. „Wusste gar nicht, dass Chuck noch lebt“,
       sagte Raimund. „In einem Pflegeheim auf Mallorca“, sagte Theo.
       „Jedenfalls“, fuhr Luis fort, „wollen sie die ‚Corporate Identity‘ der
       Pinte etwas aufhübschen.“ – „Deswegen das Ausrufezeichen“, nickte Raimund.
       „Vor allem aber: Weg mit dem Z“, vollendete Luis. „Das klingt zu sehr nach
       Putin-Buddies.“
       
       Raimund wiegte den Kopf. „Ist ja auch nicht ganz verkehrt“, sagte er. „Die
       Zauselbärte finden aber, sie hätten ältere Rechte“, erwiderte Theo.
       „Immerhin sitzen sie seit dem ersten Tag im Prokopop Z. Und das war 1986.“
       Raimund pfiff durch die Zähne.
       
       „Damals“, sagte Theo, „hat Putin noch nicht mal daran gedacht, später als
       Superschurke Karriere zu machen, sondern im Dresdner KGB-Büro
       Kugelschreiber mit Geheimtinte befüllt und abends im ‚Goldenen Broiler‘
       Bratkartoffeln mit Sülze gegessen und der Kellnerin Helga verliebte Blicke
       zugeworfen.“
       
       ## Bebra statt Zebra
       
       Luis war derselben Meinung. „Es kommt ja auch niemand auf die Idee, statt
       Zebra Bebra zu sagen“, führte er aus. „Oder“, kicherte Theo, „das Café Gum
       umzubenennen, bloß weil es so heißt wie ein Kaufhaus in Moskau.“ Wir
       hörten, wie Petris, Wirt des Café Gum, tief Luft holte. Er war Grieche und
       Stoiker und praktisch durch nichts aus der Ruhe zu bringen, doch plötzlich
       sah er aus wie Anthony Quinn in „Alexis Sorbas“: groß, stark,
       furchterregend. „Das Gum“, fauchte er, „heißt nach Opa Gumersindo, und Opa
       Gum war ein antifaschistischer Held! Er floh vor Franco aus Spanien nach
       Saloniki und saß in den Siebzigern nach dem Putsch der griechischen
       Obristen im Knast.“
       
       „Wissen wir doch“, sagte Raimund, „beruhig dich, Pete.“ Doch Petris war
       noch nicht fertig und nahm sich die Zauselbärte vor: „Und das Z war das
       Zeichen des Widerstands gegen die griechische Diktatur, der Buchstabe der
       Revolution!“, schnauzte er sie an. „Also lasst es nicht zu, dass dieser
       Putin es übernimmt und holt euch eure Kneipe zurück!“
       
       Am nächsten Tag hatte irgendwer das „Now!“ auf dem neuen Schild des
       Prokopop Z mit einem „Z“ übermalt und „FCK PTN“ daneben gesprüht. Schade
       war nur, dass unsere Lokalpostille wieder komplett ahnungslos war und
       titelte: „Zorro-Fans lassen Umbenennung von Traditionskneipe nicht zu.“
       
       7 Jan 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Joachim Schulz
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Kolumne Die Wahrheit
 (DIR) Stammkneipe
 (DIR) Griechenland
 (DIR) Gaststätten
 (DIR) Kolumne Die Wahrheit
 (DIR) Kolumne Die Wahrheit
 (DIR) Kolumne Die Wahrheit
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Die Wahrheit: Ponkys Panzer
       
       Aufregung im Café Gum: Ein Gast taucht mit fleischlosem Schildkrötenpanzer
       auf. Oder wie soll man das nennen, wenn sich der Inhalt verflüchtigt hat?
       
 (DIR) Die Wahrheit: Der Aktentaschenkrieg
       
       Am Tresen der Stammkneipe fehlte bislang eines der wichtigsten politischen
       Utensilien, das angeblich sogar gegen einen Atomkrieg helfen soll.
       
 (DIR) Die Wahrheit: Helden von gestern, Helden von morgen
       
       Hochmut kommt vor dem Fall: Wer glaubt, in seinem Leben mehr Zeit auf Demos
       statt im kühlen Grünen verbracht zu haben, sollte nochmal in sich gehen.