# taz.de -- Abschied des Skisprung-Bundestrainers: Für mehr Substanz in der zweiten Reihe
       
       > Der Österreicher Stefan Horngacher hört als Bundestrainer der Skispringer
       > nach der Olympiasaison auf. Die Suche nach einem Nachfolger läuft.
       
 (IMG) Bild: Neuer Mann an der Fahne gesucht: Stefan Horngacher beim Neujahrsspringen
       
       Stefan Horngacher wirkt in diesen Tagen bei seiner
       Abschieds-Vierschanzentournee als Bundestrainer noch angespannter als
       sonst. Das hat aber nicht vordringlich damit zu tun, dass es seine letzte
       Chance war, einen deutschen Flieger zum ersten Gesamtsieg bei
       Skisprung-Grand-Slam seit 24 Jahren zu führen. Sondern vor allem mit der
       Krise der einstigen Überflieger Andreas Wellinger, Karl Geiger und [1][Pius
       Paschke].
       
       „Wir müssen sie wieder in die Spur bringen, schließlich gehören sie zu den
       besten Skispringern der Welt. Da muss man eben einfach geduldig bleiben und
       darf nicht die Flinte ins Korn werfen“, so Horngacher, der schon vor
       Saisonbeginn seinen Rücktritt zu Saisonende angekündigt hatte: „Für mich
       als Trainer bricht die Welt nicht zusammen, wenn ich die
       Vierschanzentournee als Trainer des deutschen Teams nicht gewinne. Man muss
       ja das Gesamte sehen, was in den letzten sieben Jahren passiert ist. Da
       waren viele Sachen dabei, die sehr gut gelungen sind, aber auch welche, die
       nicht so erfolgreich waren.“
       
       Zu den bemerkenswerten Erfolgen unter Horngacher gehörten seit seinem
       Amstantritt 2019 die drei Goldmedaillen bei der Heim-WM 2021 in Oberstdorf.
       Es gab aber auch Enttäuschungen wie Olympia 2022 in Peking, oder dass es
       immer noch nicht gelungen ist, die Vierschanzentournee endlich wieder für
       Deutschland zu gewinnen. Während sich die neuen Vorflieger Felix Hoffmann
       und Philipp Raimund bei der Tournee von den Schanzen stürzen, sucht der
       Deutsche Skiverband (DSV) im Hintergrund schon den Nachfolger für den
       Österreicher.
       
       „Die eine oder andere Bewerbung aus dem In- und Ausland ist schon
       reingeflattert. Wir werden uns nach der Tournee intensiver mit dem Thema
       beschäftigen und bis Olympia Gespräche führen“, verrät der fürs Skispringen
       zuständige DSV-Sportdirektor Horst Hüttel. Der teamfähige, ideale Kandidat
       solle die Topathleten wieder in Topform bringen, aber auch die jüngeren
       Athleten einbinden. „Wir haben Substanz in der zweiten und dritten Reihe
       verloren. Es muss uns gelingen, da über die nächsten Jahre die Lücke zu den
       Besten zu schließen“, so Hüttel.
       
       Kandidatenkarussell mit drei Österreichern 
       
       Im Kandidaten-Poker fällt häufig der Name Thomas Thurnbichler, der vom DSV
       vor der Saison als B-Kader-Trainer verpflichtet wurde. Weder die schwachen
       deutschen Ergebnisse im Continentalcup noch seine glücklose Amtszeit als
       polnischer Cheftrainer sind jedoch gute Argumente für eine Beförderung.
       Anders sieht das beim derzeitigen Horngacher-Assistenten Andreas Mitter aus
       – er war schon Cheftrainer in Finnland und ist ein wichtiger Faktor hinter
       dem raketenartigen Aufstieg von Felix Hoffmann.
       
       [2][Der Österreicher Mitter] dürfte gute Chancen haben, wenn sich nicht ein
       Topkandidat aus dem Ausland wie Österreichs Cheftrainer Andreas Widhölzl
       für den lukrativen Posten in Deutschland interessiert. Oder Horngachers
       erfolgreicher [3][Vorgänger Werner Schuster], derzeit Nachwuchs-Chef im
       DSV, ein Comeback wagen will.
       
       Der letzte deutsche Tourneesieger Sven Hannawald nennt noch einen anderen
       Kandidaten: Martin Schmitt. Der Olympiasieger und Ex-Weltmeister arbeitet
       bei der Tournee wieder als Experte für Eurosport, ist Mitbesitzer einer
       Vermarktungsagentur und firmiert beim DSV als Talentscout und „Leitender
       Trainer Nachwuchs“. Seinen Trainerschein hat ermit einem Schnitt von 1,0
       gemacht.
       
       „Martin würde genau da reinpassen – ob als Bundestrainer oder eben irgendwo
       an der Seite des neuen Chefs. Es hängt von ihm ab – schließlich hat er auch
       Familie“, sagt Hannawald. Genau das könnte das Problem sein. Schmitt ist
       zwar interessiert an dem Posten („Könnte in der Zukunft ein Thema werden“),
       aber seine drei Kids sind noch zu jung.
       
       4 Jan 2026
       
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