# taz.de -- momentaufnahmen: Wenn das Wetter einem die Laune verhagelt
       
       Es ist kurz nach Feierabend und mein Magen knurrt. So einzukaufen geht
       schief, weiß ich, und eigentlich hätte ich das auch vertagt – wenn da nicht
       die Schneewarnung wäre: Alarmstufe Rot – Gefahr für Leib und Leben.
       
       Ich rufe meinen Freund an – der wird mich darin bestärken, dass Einkaufen
       morgen auch noch möglich sein wird. Er geht nicht ans Telefon. Ich rufe
       meine Mutter an. Sie kann die Lage nicht einschätzen und rät mir, lieber
       gleich noch einzukaufen. Damit habe ich gerechnet. Mein Freund ruft an, ich
       drücke ihn weg. Ich bin überzeugt. Jetzt noch in den Penny auf der
       Reeperbahn? Alles in mir sträubt sich. Dann wird’s eben Edeka.
       
       Im Supermarkt ist die Hölle los, die Regale sind nur noch spärlich
       bestückt. An der Kasse ist eine Schlange. Ich stelle mich an. Normalerweise
       habe ich immer einen Einkaufsbeutel mit, aber der Schneesturm hat meine
       Planung durchkreuzt. Ich wähle die Papiertüte und bezahle zähneknirschend.
       Als ich den Laden verlassen will, reißt die Tüte. Blaubeeren kullern über
       den Boden. Eine Frau bückt sich und bewirkt so, dass ich mich aus meiner
       Starre löse und ebenfalls beginne aufzulesen. „Einen schönen Abend Ihnen“,
       sagt sie schließlich und geht. „Danke“, sage ich und fange an zu weinen.
       Mara Schaaf
       
       17 Jan 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Mara Schaaf
       
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