# taz.de -- Vor den NFL-Playoffs: In Boston ist die Lust zurück
> Die New England Patriots haben ihre Durststrecke im Football überwunden.
> Quarterback Drake Maye und Chefoach Mike Vrabel stehen für den Aufbruch.
(IMG) Bild: Drake Maye, Quarterback der New Enland Patriots, macht selbst den Sieg sicher
Mike Vrabel war erstaunlich unterkühlt nach dem 52:10-Sieg seiner [1][New
England Patriots] über die New York Jets am vergangenen Sonntag. Immerhin
bedeutete der Sieg den ersten Auftritt von New England in den NFL Playoffs
seit 2021 und das gleich mit einem Titelgewinn in der American Football
Conference. Doch Vrabel merkte nur trocken an: „Ja, ich bin stolz auf diese
Mannschaft. Aber es gibt noch viel zu tun.“
Klar, einer wie Vrabel lässt noch nicht die Champagnerkorken knallen, nur
weil seine Mannschaft es in die Playoffs schafft. Schließlich war Vrabel
ein zentrales Mitglied jener [2][Dynastie] der Patriots um Bill Belichick
und [3][Tom Brady], die 20 Jahre lang die Liga dominiert hatten. Sechs
Meisterschaften, neun Finalteilnahmen, 19 Playoff-Teilnahmen, die Zahlen
sprechen für sich. Um diese Jahreszeit setzte bis vor fünf Jahren im
Football-Amerika gewöhnlich eine beklemmende Schwere ein, denn die
Playoff-Wochen würden mit einer ermattenden Unweigerlichkeit eben wieder
einmal eine große Patriots-Show werden.
Seit Brady im Jahr 2020 nach Florida zog, ist das jedoch nicht mehr so.
Ohne den Superstar auf dem Platz waren dem [4][Supertrainer Belichick] die
Flügel gestutzt. Bevor er 2023 seinen Hut nahm, wurde alles immer
schlimmer, Belichick war dabei, seine Aura als Supertrainer zu verspielen.
Und auch im Jahr eins nach Belichick, 2024, sah es nicht rosiger aus: Die
Patriots gewannen gerade einmal vier ihrer 17 Spiele. Boston verlor das
Interesse am Football und wendete sich den deutlich erfolgreicheren
Basketballern der Celtics zu.
In den vergangenen Monaten ist jedoch in Boston wie auch im übrigen
Nordosten wieder eine neue Football-Lust erwacht. Die Art, wie die neuen
Patriots unter Vrabel spielen, macht Spaß und ist erfolgreich. Mit Vrabel
und dem neuen, jungen Star-Quarterback Drake Maye ist ein neues Erfolgsduo
an der Spitze des einstigen Superclubs. Sogar das Gerede um eine neue
„Dynastie“ geht um.
Solche Sprüche sind freilich voreilig. Ob die jetzigen Patriots das Zeug
dazu haben, auch nur bis in die Super Bowl vorzudringen, müssen sie in den
kommenden Wochen erst noch beweisen. Doch nach dem vorzeitigen Ausscheiden
der [5][Kansas City Chiefs] stehen ihre Chancen so gut wie die jeder
anderen Mannschaft. Mit 13 Spielen haben sie fünf mehr gewonnen als in den
vergangenen zwei Jahren zusammen. Auswärts ist ihre Bilanz mit 8-0
makellos.
Die Jahre nach Tom Brady
Der Hauptgrund für die Renaissance der Patriots ist zweifellos der 23 Jahre
alte Maye, den viele in seiner zweiten Profisaison bereits für den besten
Quarterback der Liga halten. In seiner ersten Saison bei den Patriots ließ
er bereits sein Sondertalent aufblitzen. Er spielte den besten Football
eines Rookies auf der Position, so lange selbst die eingefleischtesten
Experten sich erinnern konnten. Doch seine Mitspieler in der Offensive
konnten mit ihm nicht mithalten und die Patriots-Defensive blieb wie die
Jahre zuvor eine Peinlichkeit.
Die Wende kam mit der Rückkehr von Vrabel und dem Offensiv-Koordinator Josh
McDaniels. Beide waren Teil der goldenen Patriot-Ära und mit ihnen ist die
Magie zurück in das Patriots-Stadion in Foxboro gekommen. „Wir haben
einfach wieder eine Erfolgskultur“, sagt Maye. Eine Kultur eben, die eine
Playoff-Teilnahme noch nicht als Grund für Straßenfeste sieht.
Hilfreich für Vrabel war freilich die Tatsache, dass er inmitten des
Scherbenhaufens, den Belichick und sein Nachfolger Jerod Mayo hinterlassen
hatten, viel Geld da war. Mit 130 Millionen Dollar Spielraum bis zur
Gehaltsobergrenze konnte er bequem einkaufen gehen. Und mit seinem sicheren
Gespür und seiner Erfahrung stellte er dem größten Quarterback-Talent seit
[6][Patrick Mahomes] ein feines Mitarbeiterteam zusammen. Insbesondere
Stefon Driggs und Garrett Bradbury harmonieren bestens mit Maye, während
Morgan Moses die Verteidigung neu organisiert.
So freut man sich in Boston und Umgebung zum ersten Mal seit sechs Jahren
wieder auf die Playoffs. Und der Rest des Publikums freut sich mit ihnen –
was in der schier unendlichen Zeit der erdrückenden Patriots-Dominanz nicht
immer der Fall war.
30 Dec 2025
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## AUTOREN
(DIR) Sebastian Moll
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