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       Krawattendiebe mag ich nicht.“ „Was magst du nicht?“, frage ich.
       „Krawattendiebe.“ Ich sitze in Anouks Kitagarderobe. Cedric wechselt im Bad
       gerade ihre Windel. Der Junge, der keine Krawattendiebe mag, setzt sich zu
       mir auf die Bank. „Du bist der Freund von Anouks Papa, oder?“ Ich nicke.
       „Du warst schon mal hier, oder?“ Ich nicke wieder.
       
       „Was sind denn Krawattendiebe?“, frage ich. Vor meinem inneren Auge sehe
       ich schlipstragende Männer an Weiberfasching, denen die Krawatten gestutzt
       werden. „Krawattendiebe ziehen sich schick an, damit niemand merkt, dass
       sie Diebe sind“, erklärt mir der Junge. „Sie gucken sogar freundlich.“
       „Ah“, sage ich, habe aber keine Ahnung, wovon er redet. Mit Weiberfasching
       scheinen Krawattendiebe jedenfalls nichts zu tun zu haben. „Und dann gehen
       sie in Büros und stehlen. iPads, Laptops, Handys. Sowas. Im Büro von meinem
       Papa haben sie fünf Computer geklaut. Die Polizei sagt, das ist eine
       richtige Profibande.“
       
       Jetzt klickt es bei mir. „Taschendiebe, Tagediebe und nun auch noch
       Krawattendiebe“, sage ich. „In Berlin kann man nicht vorsichtig genug
       sein.“ Anouk und Cedric kommen aus dem Bad. Anouk deutet auf den Jungen
       neben mir. „Bei Bens Papa waren Krawattendiebe im Büro.“ „Ich weiß“, sage
       ich. Es scheint das Tagesgespräch in der Kita zu sein.
       
       „Let‘s go“, sagt Cedric. „Ich bin abgeholt“, sagt Anouk zu Ben. Er steht
       auf und geht zu ihr. Sie formen beide ihre rechte Hand zu einer Faust und
       rufen „Kartoffel!“ Was wird das?, überlege ich. Sie lassen ihre Fäuste
       sanft aufeinanderklacken. Beim Zurückziehen öffnen sie sie in einer
       fließenden Bewegung zu fünf Fingern und rufen „Pommes!“ Anouk sieht
       zufrieden auf ihre Hand. Auch Ben betrachtet seine wie ein Zauberer. Er
       schließt und öffnet sie. Pommes. Kartoffel. Pommes. Kartoffel.
       
       „Tschüss“, sagt Anouk. „Tschüss“, sagt Ben. Ich bin beeindruckt. Erst die
       Gangstergeschichte, und dann dieser handshakeartige Rapper-Move. Im
       Kindergarten kann man eine Menge fürs Leben lernen.Daniel Klaus
       
       29 Dec 2025
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Daniel Klaus
       
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