# taz.de -- Kommentar von David Muschenich zum Wechsel an der Regierungsspitze in Sachsen-Anhalt: Gefährliche Rochade: ein Promi geht, ein Unbekannter kommt
       
       Es scheint, als wolle die CDU in Sachsen-Anhalt die Landtagswahl im
       September gar nicht gewinnen. Anders lässt sich kaum erklären, weshalb sie
       kurz vor knapp plant, den Ministerpräsidenten auszuwechseln. Reiner
       Haseloff, der dienstälteste Landeschef Deutschlands, will seinen
       Wunschnachfolger Sven Schulze, bislang CDU-Spitzenkandidat und
       Wirtschaftsminister im Land, Ende Januar ins Amt hieven. Schulzes
       Bekanntheit dürfte das Wahlkampfmanöver zwar fördern. Aber in der Gunst der
       Wähler:innen steigt er deshalb nicht.
       
       Der ursprüngliche Fehler liegt schon ein paar Monate zurück: Als Schulze im
       August zum Spitzenkandidaten ernannt wurde, versicherte Haseloff noch, bis
       zum Ende im Amt bleiben zu wollen. Dass er Schulze damit den Amtsbonus bei
       der Landtagswahl verwehrte? Egal, er habe das beim Antritt als
       Ministerpräsident 2021 so zugesagt. Dann kamen die neuen Umfragewerte. Die
       CDU rutschte in Sachsen-Anhalt unter 30 Prozent, die AfD kletterte auf bis
       zu 40 Prozent empor. Sven Schulze? Den kannte fast die Hälfte der Befragten
       in Sachsen-Anhalt nicht. Darum soll Schulze nun doch den Amtsbonus
       bekommen. Zu mehr sind sieben Monate im Amt auch gar nicht gut, wenn
       überhaupt. Woher der Sinneswandel kommt? Auch egal. Ob es die Bundes-CDU
       war, die aus Angst vor der AfD Druck gemacht hat? Ob Haseloff einfach
       abwarten wollte, bis Sven Schulze auf dem Landesparteitag breite
       Rückendeckung der Mitglieder erhält? Gut steht am Ende niemand da. Zu allem
       Überfluss ist das Wahlkampfmanöver offensichtlich vor der finalen
       Abstimmung durchgesickert. Ob die Koalitionspartnerinnen SPD und FDP
       überhaupt mitmachen? Am Donnerstag beantworteten sie das selbstbewusst mit:
       „Abwarten.“ Zuerst müsse die CDU offiziell Schulze vorschlagen.
       
       Vielleicht wollte Haseloff nicht länger als nötig im Amt bleiben. Selbst
       wenn es klappt, eine absolute Mehrheit der AfD zu verhindern, dürfte die
       Regierungsbildung nach der Landtagswahl schwierig werden. Der alte
       Ministerpräsident bliebe übergangsweise im Amt – und niemand weiß, wie
       lange das dauert. Wird Schulze jetzt Ministerpräsident, muss Haseloff die
       Zeit nicht aussitzen.
       
       Allerdings: Die Wahl des Regierungschefs hatte in den vergangenen Jahren
       fast immer Popcornpotenzial. In Thüringen 2019 zum Beispiel, als Thomas
       Kemmerich (damals FDP) aus Versehen mit der Hilfe von AfD und CDU zum
       Ministerpräsidenten gewählt wurde. Ups! Oder letztens nach der
       Bundestagswahl, als Friedrich Merz (CDU) im ersten Anlauf für das Amt des
       Kanzlers die nötige Mehrheit verfehlte.
       
       Ähnlich lief es übrigens bei Reiner Haseloff. Nachdem seine CDU die
       Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2021 mit 37,1 Prozent der Stimmen unerwartet
       klar gewonnen hatte, fiel er trotzdem im ersten Wahlgang als
       Ministerpräsident durch. Es sind die gleichen Landtagsabgeordneten von CDU,
       SPD und FDP, die nach dem Plan der Union nun Sven Schulze wählen sollen. Es
       wäre eine Vollkatastrophe, wenn das nicht klappt.
       
       10 Jan 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) David Muschenich
       
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