# taz.de -- Mütter im Spitzensport: Schwere Geburt
> Romy Bär zählt zu den wenigen Müttern in der Damen-Basketball-Bundesliga.
> Die Unterstützung durch die Liga und Klubs bleibt bislang bescheiden.
(IMG) Bild: Fühlt sich nun körperlich auf einem anderen Level: Romy Bär hat den Ball fest in den Händen
Wenn Romy Bär am Abend die Tasche packt, um ins Training des Syntainics MBC
zu gehen, weiß Sohn Cody genau, was die Mutter jetzt macht. „Wenn ich ihm
sage, dass ich zur Arbeit gehe, macht er inzwischen eine Wurfbewegung“,
berichtete Bär schon vor Monaten. Mittlerweile ist ihr Nachwuchs schon über
zwei Jahre alt und geht tagsüber fünf Stunden in die Kita. So kann die
MBC-Kapitänin in Halle/Saale vormittags trainieren und ist nachmittags für
den Kleinen da. Abends passt ihre Frau auf.
Ob [1][Fußballtorhüterin Almuth Schult], Leichtathletin Gesa Krause oder
[2][Tennisstar Angelique Kerber]: Einige Sportlerinnen sind als Mütter auf
die Bühne des Leistungssports zurückgekehrt. Mittlerweile gibt es auch in
Deutschland mehr Strukturen, die diesen Schritt erleichtern – doch es ist
nach wie vor Pionierarbeit notwendig. Insbesondere in Sportarten wie
Basketball, die generell noch an ihrer Professionalisierung arbeiten.
Einen Tag, nachdem Bär damals den positiven Schwangerschaftstest hatte, kam
die Nachricht, dass ihr Verein Rheinland Lions insolvent war. Daher findet
sie es besonders wichtig, im Profibasketball auch im Falle einer
Schwangerschaft abgesichert zu sein. „Es ist ja nicht nur, dass du dann
kein Geld verdienst“, merkt Bär an. „Du hast auch keine Halle, keinen
Trainer, kein Fitnessstudio. Wie willst du es dann schaffen, nach der
Schwangerschaft zurückzukommen?“
In anderen Ländern, allen voran den USA, sind die Ligen schon einen Schritt
weiter. In der WNBA gilt Candace Parker als Pionierin. 2009 bekam sie ihre
erste Tochter Lailaa und kam 53 Tage nach der Geburt wieder zurück. Doch
der Weg war keineswegs einfach. Erst mit den neuen Tarifverträgen der WNBA
2020 haben die Spielerinnen einen Anspruch auf bezahlten
Mutterschaftsurlaub. Auch bezahlte Freistellungen und angepasste
Wohnregelungen für Spielerinnen mit Kindern gehören heute zum Standard.
## „Erst wieder auf Null kommen“
Ob sie auf den Court zurückkommt, ließ Romy Bär zunächst offen. „Ich wusste
ja nicht, was die Schwangerschaft physisch, aber auch mental mit mir macht.
Also inwieweit sich die Prioritäten verschieben und ich Basketball
überhaupt noch als,wichtig' empfinden werde.“ Doch wenige Wochen nach der
Geburt kribbelte es wieder, als sie das Nationalteam spielen sah. „Da war
mir klar: Ich will weitermachen und habe mir zum Ziel gesetzt, nach
Weihnachten wieder zu starten.“ Das war leichter gesagt als getan.
Als Bär wieder ins Training einsteigen wollte, stellte sie fest: „Mein
Körper hatte sich sehr verändert. Ich dachte, ich fange bei null an, aber
ich musste erst einmal wieder auf null kommen.“ Mit ihrer Größe (1,87
Meter) und dem Kaiserschnitt bei der Geburt, war Bär in der Körpermitte
„auseinandergefallen“, wie sie es beschreibt. Kein Wunder. Die Hormone in
der Schwangerschaft machen Sehnen und Bänder weicher, die Bauchmuskeln
gehen auseinander, die Core-Stabilität nimmt ab.
Mittlerweile fühlt sich Bär körperlich gut. „Ich habe das Gefühl, dass ich
meinen Körper auf ein anderes Level gebracht habe, und auch mental gehe ich
ganz anders in Trainings und Spiele“, erzählt sie. Der Fokus ist jetzt ein
anderer, zwei Stunden Sport werden viel effektiver genutzt und alles
bewusster wahrgenommen. Wenn Bär mit ihrem Team zu Auswärtsspielen fährt,
freut sie sich als Einzige so richtig auf die lange Busfahrt. „Da kann ich
mal in Ruhe lesen und einfach mal Ich sein“, erzählt sie und lacht. Auf der
anderen Seite ist sie im Zwiespalt, weil sie nicht so lange von ihrem Sohn
getrennt sein will, der jetzt immer mehr versteht und traurig ist, wenn die
Mutter 48 Stunden weg ist.
Immerhin war es zuletzt bei der Nationalmannschaft so, dass für Sohn und
Frau die Hotelkosten übernommen wurden und die Familie ein eigenes Zimmer
bekam. „Dass so etwas normal ist, dafür haben wir lange gekämpft“, erzählt
Bär. Im Nationalteam war sie die einzige Mutter – mittlerweile gehört die
Rekordspielerin aber nicht mehr zum Kader. „Als Verband sind wir offen und
versuchen, individuelle Lösungen zu finden“, sagt Peter Radegast, der beim
DBB für das Thema zuständig ist. Er betont aber auch, dass es sich um
Ausnahmefälle handelt. „In der Vergangenheit war der Weg klar
vorgezeichnet, da man mit dem Basketball kein Geld verdient hat. Da sich
das geändert hat, könnte es auch mehr Mütter geben, die nach der Geburt
zurückkommen“, vermutet er.
## Noch keine konkreten Pläne
In der DBBL ist Bär neben Milica Cuic von den Girolive Panthern Osnabrück
und Deeshyra Thomas von Alba Berlin eine der wenigen spielenden Mütter.
Insgesamt sind die Strukturen zwar auch bei den Vereinen individueller
geworden – die eine Spielerin studiert, die andere arbeitet – doch noch
sind die Vereine der DBBL auf sich allein gestellt und müssen eigene
Lösungen finden. Bei der DBBL, die gerade viele Strukturen
professionalisiert, ist bekannt, wie wichtig es ist, [3][die Rückkehr nach
einer Schwangerschaft] zu ermöglichen, heißt es aus dem Vorstand. Doch noch
gebe es dazu keine konkreten Pläne, um die Vereine und Athletinnen dabei zu
unterstützen.
Reibungslos lief es auch in der US-amerikanischen Liga nicht. So machte
etwa Dearica Hamby Schlagzeilen, weil sie während ihrer zweiten
Schwangerschaft 2022 Diskriminierung erlebte. Sie klagte ihr damaliges
Team, die Las Vegas Aces, an und sprach öffentlich darüber, aufgrund ihrer
Schwangerschaft versprochene Leistungen nicht erhalten zu haben. Ihr Fall
führte zu intensiven Diskussionen innerhalb der Liga – und zeigte, dass
strukturelle Verbesserungen nicht nur wünschenswert, sondern notwendig
sind, um die Spielerinnen zu schützen und ihnen auch nach einer
Schwangerschaft eine Karriere zu ermöglichen.
Wie die beiden US-Ikonen ist auch Romy Bär in Deutschland eine Pionierin.
„Es wäre schön, wenn ich dadurch andere ermutige, auch diesen Schritt zu
gehen. Klar, man kann das zeitlich nicht komplett planen und vielleicht
verpasst man auch mal ein großes Event – dafür hat man dann aber eben ein
Kind.“
10 Jan 2026
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## AUTOREN
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