# taz.de -- szene: Visuell einwandfrei erkannt
Von Felix Primus
Kürzlich musste ich mich am Telefon authentifizieren. Drei Fragen waren zu
beantworten: Geburtsort, Geburtsdatum und Ausweisnummer. Ausweisnummer?
Moment, ruf ich in den Hörer, da muss ich erst nachsehen. Doch im
Portemonnaie steckt mein Personalausweis nicht. Kann ihn nicht finden, sag
ich ein wenig irritiert, und es wird leider nichts mit dem
„Sesam-öffne-dich“. Auch nach längerer Suche stehe ich mit leeren Händen
da. Nicht ganz optimal, seine Papiere nicht im Haus zu haben.
Als ich am nächsten Tag am Kottbusser Tor meinen Drahtesel aufschließe,
fällt mir ein, dass ich im Frühjahr in ein paar Radsportgeschäften
Fahrräder probegefahren, aber nicht gekauft hatte – letztendlich aus Treue
zu meinem guten alten „Roadster“. Als Pfand hatten die Verkäufer jeweils
meinen Perso eingefordert. Wie das eben so üblich ist. Und eigentlich
verboten. Er könnte also noch im Laden liegen – oder auch nicht. Doch in
welchem?
Nach längerem Suchen in dreierlei Kiezen, nach mehreren kopfschüttelnden
Radhändlern – „Nee. Ick horte keene Ausweise!“ – finde ich das Geschäft.
Auf mein Nachfragen zieht der Inhaber, der so gar nicht radsportlich
aussieht (das hatte ich schon im Frühjahr gedacht), die oberste Schublade
seines Tresens auf und fördert scharfäugig und mit kätzisch gekrümmtem
Rücken ein dickes Kartenspiel zutage. Ein Kartenspiel? – Moment mal: das
ist kein Kartenspiel, sondern eine bunte Vielfalt von Ausweisen. Potzblitz!
20, 30 Radler dürften also gerade genau wie ich ohne Personalausweis
herumlaufen, ohne es zu wissen. Mindestens.
Zu meiner Verwunderung reicht mir der Mann jetzt ziemlich zügig mein
lindgrünes Ausweiskärtchen über den Ladentisch, und zwar, ohne dass ich
meinen Namen hätte nennen müssen.
Manches klappt noch ganz ohne computergeführte Authentifizierung, staune
ich, und verlasse das Geschäft.
Felix Primus
25 Nov 2025
## AUTOREN
(DIR) Felix Primus
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