# taz.de -- Jahrestag der Samtenen Revolution: Regierungskritische Proteste in Tschechien und der Slowakei
       
       > In zahlreichen Städten gehen Regierungsgegner auf die Straße und
       > protestieren gegen Fico und Babis. Sie fordern mehr Unterstützung für die
       > Ukraine.
       
 (IMG) Bild: Zehntausende zogen am Montagabend auf die Straße, so wie hier in Bratislava, 17.11.2025
       
       afp/dpa | Anlässlich des Jahrestags der sogenannten Samtenen Revolution vor
       36 Jahren sind in Prag tausende Menschen gegen den Kurs der künftigen
       Regierung unter dem Rechtspopulisten [1][Andrej Babis] auf die Straße
       gegangen. Zahlreiche Menschen versammelten sich am Montag in der
       historischen Altstadt und skandierten Slogans wie „Tschechien ist nicht zu
       verkaufen“ und „Werft Babis weg“, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur
       AFP berichtete. Auch in der Slowakei wurden für Montagabend Proteste
       erwartet.
       
       Die Samtene Revolution hatte 1989 die kommunistische Führung in der
       Tschechoslowakei zu Fall gebracht. 1993 teilte sich das Land friedlich in
       die Tschechische Republik und die Slowakei.
       
       In Tschechien richteten sich die Proteste maßgeblich gegen den Milliardär
       Babis, der bei der Parlamentswahl vor einem Monat als Sieger hervorgegangen
       war. Der Rechtspopulist und Anhänger von US-Präsident Donald Trump war
       bereits von 2017 bis 2021 Regierungschef. Nach der Wahl schmiedete er eine
       EU-skeptische Regierungskoalition mit der rechtsextremen Partei SPD und der
       rechtsgerichteten Autofahrerpartei
       
       ## Proteste in Bratislava gegen Fico
       
       In der Slowakei demonstrierten zehntausende Menschen gegen die Regierung
       des linksnationalen Ministerpräsidenten Robert Fico. Aufgerufen hatten dazu
       mehrere Oppositionsparteien und Nichtregierungsorganisationen wie die
       Initiative „Mier Ukrajine“ (Friede der Ukraine).
       
       An der größten Kundgebung auf dem Freiheitsplatz in Bratislava gegenüber
       dem Amtssitz der Regierung nahmen nach Angaben der Organisatoren trotz
       Regenwetters bis zu 50.000 Menschen teil. Sie gedachten des Sturzes der
       kommunistischen Diktatur und [2][forderten mehr Unterstützung für die
       Ukraine.]
       
       Vor allem aber skandierte die Menge Parolen wie „Wir haben genug von Fico!“
       und hielt Transparente in die Höhe, [3][die ein Ende der von Fico geführten
       Dreiparteienregierung verlangten.] Der Regierung warfen sie Gefährdung der
       Demokratie vor und kritisierten aktuelle Sparmaßnahmen zur Bekämpfung der
       hohen Staatsschulden.
       
       Der liberale Oppositionsführer Michal Simecka, dessen Partei in jüngsten
       Umfragen bereits vor Ficos Partei Smer-SD (Richtung Sozialdemokratie)
       führt, zog in seiner Rede eine Parallele zwischen damals und heute: Mut und
       die Sehnsucht nach Freiheit hätten die Demonstranten 1989 zu ihren am Ende
       erfolgreichen Protesten motiviert.
       
       „Das sind genau die zwei Werte, die die Kommunisten nicht verstanden haben
       und die auch Robert Fico heute nicht versteht. Deshalb wird er ebenso
       verlieren, wie die Kommunisten verloren haben“, zitierte die
       Nachrichtenagentur TASR den Oppositionspolitiker Simecka.
       
       ## „Kreidenrevolution“ von Jugendlichen
       
       An den Tagen zuvor hatte ein lokaler Schülerprotest mediale Aufmerksamkeit
       auch im Ausland geweckt. Vor einem geplanten Besuch Ficos in einem
       Gymnasium der nordslowakischen Stadt Poprad hatte ein Schüler mit Kreide
       eine derbe Kritik auf den Boden vor dem Eingang geschrieben. Ein Video
       zeigt, wie er dabei von einer vermutlich zur Schule gehörenden Person
       kritisiert, aber von einer ebenfalls anwesenden Oppositionspolitikerin in
       Schutz genommen wird.
       
       Dass sich Regierungspolitiker daraufhin empörten, die Opposition schrecke
       nicht vor dem Aufhetzen Jugendlicher zurück, löste erst recht eine Welle
       von Unmut aus und mündete in den Internetaufruf zu einer
       „Kreidenrevolution“. Das Internet ist seither voll von Bildern mit Kreide
       geschriebener Parolen gegen die Regierung
       
       18 Nov 2025
       
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