# taz.de -- momentaufnahmen: Wenn das Mausoleum zum Wohnzimmer wird
Wo sind sie denn, die Mausoleen? Laut Plan irgendwo hinten links. Eine
halbe Stunde wird es dauern, die Wege sind verschlungen, Wasserläufe,
Brücken. Man könnte fast vergessen, dass man auf einem Friedhof ist, wären
da nicht immer wieder die Grabmale in der Parklandschaft, die zwischen den
Bäumen hervorlugen.
Reiche Hamburger Familien haben sich vor über 100 Jahren richtige kleine
Tempel errichten lassen, von denen jetzt viele verfallen. Mit Gittern
umgeben stehen sie da, das Dach mit Plane abgedeckt. „Achtung!
Einsturzgefahr!“
Das hinten, das sieht aber doch noch ganz gut aus. Top in Schuss, lebt denn
von der Familie noch jemand? Aus dem Inneren dringen die Töne einer
Trompete, durch die Tür scheint Licht. Sie öffnet sich, ein älterer Herr
schaut heraus. Ob wir hereinkommen wollen?
Im Inneren ist es warm, die Wände mit roter Farbe gestrichen, es stehen
Korbsessel da, die Trompete liegt auf einer Bank. Er wohne in der
Nachbarschaft, erzählt der Mann, und habe das Mausoleum gekauft, nun sei es
sein Rückzugsort zum Üben. Er lade auch gerne Freunde ein. „Am Wochenende
zum Glühweintrinken. Kommen Sie doch auch!“ Daniel Wiese
6 Dec 2025
## AUTOREN
(DIR) Daniel Wiese
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