# taz.de -- szene: So was von noch dran
Mich hat ein grippaler Infekt erwischt und nachdem es mir ein bisschen
besser geht, aber eben noch nicht gut genug, um wieder nicht mehr krank zu
sein, wird es langweilig auf dem Sofa. Ich habe gefühlt ganz Netflix leer
geguckt und dabei alle ungesunden Dinge, die wir noch im Haus hatten,
aufgegessen. Während ich vor mich hin döse, klingelt plötzlich das Handy.
Toll, denke ich und gehe erwartungsfroh ran. Eine männliche Stimme sagt:
„Hallo, ja, hier Meyer, Guten Tag. Ich möchte den Computer wieder
zurückgeben.“ „Hm“, sage ich etwas langsam, denn der Mann muss sich ja
verwählt haben. Der Mann lässt sich aber nicht beirren: „Den Computer. Den
würde ich gern wieder zurückgeben.“ „Hm“, mache ich wieder. „Den ich bei
Ebay bei Ihnen gekauft habe“, sagt der Mann bestimmt.
Ich hab nie Computer über Ebay verkauft und nie hatte bei Ebay irgendjemand
meine Nummer. Das ist schon mal klar. Ich überlege, ob das ein Scherzanruf
ist, aber mal sehen, was passiert, wenn ich mitspiele, also sage ich: „Ok.
Den Mac? Schicken Sie ihn einfach zurück.“ „Aber sicher doch“, sagt der
Mann empört. „Alles gut“, sage ich, „schicken Sie ihn mir. Ich freue mich
drauf.“ „Sind Sie noch dran?“, fragt er da. „So was von“, sage ich. Der
Mann aber offenbar nicht mehr, denn er legt auf.
Kurz danach ruft er wieder an. Ich nehme ab und sage mit tiefer
dienstbereiter Stimme: „Polizeidienststelle Direktion 4, Abschnitt 42.“ Ich
grinse und freue mich auf den Scherz, den ich früher mit meinen Kindern mal
sehr erfolgreich gemacht habe, aber da legt der Typ einfach so wieder auf.
Na toll. Die Spaßanrufer verstehen irgendwie keinen Spaß mehr, habe ich das
Gefühl. Ich rufe die Nummer ein bisschen empört noch ein paar Mal zurück,
um meinen Mac einzufordern, aber es geht irgendwie niemand mehr ran. Leider
auch langweilig. Isobel Markus
18 Nov 2025
## AUTOREN
(DIR) Isobel Markus
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