# taz.de -- szene: Kein Müll, schöne Geschenke
Um die Ecke: eine große Brache, jede Menge Sportplätze, ein Friedhof und
diverse Altglascontainer. Nachts kommt hier außer Fuchs und Wildschwein
niemand vorbei. Oder doch: die Leute, die Geschenke für andere
hinterlassen. Große Überraschung am nächsten Morgen: etwa ein Bürostuhl,
Matratzen, Fernseher, Waschbecken, Kloschüsseln, Säcke mit Gartenabfall und
Undefinierbarem. Früher habe ich mich über diese „Müllhaufen“ geärgert.
Mein Mann arbeitet seit Jahren an der Entwicklung einer Arschtrittmaschine.
Leider bisher erfolglos. Unlängst habe ich aber in der taz gelesen, dass es
sich bei dem abgestellten Sperrgut eben nicht um Müll handle. Da würden
immer Leute nach Brauchbarem und Nützlichem suchen. Und ehe der Staat die
„Schenkenden“ verfolgt und bestraft, fände sich der Autor lieber mit dem
Sperrmüll auf der Straße ab. Das fand ich plausibel. Also habe ich ein paar
hässliche Vasen aus dem alten Hausstand meines Mannes aus dem Keller geholt
und neben die Container gestellt. Die Vasen waren wirklich am nächsten Tag
weg. Ein paar Wochen später fragt mein Mann: „Wo ist denn eigentlich der
Wein-Dekantierer?“ Keine Ahnung, was das ist. Ich bin Biertrinkerin.
Vor ein paar Tagen fahre ich mit dem Rad an den Containern vorbei und bin
ganz gerührt: Großzügige Spender haben eine wunderschöne Waschmaschine
abgeladen! Das hat sicher einige Mühe und Kraft gekostet! Ein wirklich
nettes Geschenk. Sicher ist die in wenigen Stunden weg.
Aber niemand im Viertel scheint derzeit eine Waschmaschine zu brauchen oder
über einen Gabelstapler zu verfügen. Also steht die Waschmaschine noch
immer an derselben Stelle und wartet auf Adoptiveltern. Um ihre Einsamkeit
etwas zu lindern, hat heute Nacht jemand ein altes Sofa danebengestellt.
Mal sehen, wann der Rest der Couchgarnitur folgt.
Gabriele Frydrych
10 Nov 2025
## AUTOREN
(DIR) Gabriele Frydrych
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