# taz.de -- Memoiren von Virginia Robierts Giuffre: Schmerzhafte Lektüre
       
       > Sie wurde vom US-Milliardär Jeffrey Epstein sexuell missbraucht. Nun sind
       > Giuffres Memoiren posthum erschienen. Die Details sind schockierend.
       
 (IMG) Bild: Virginia Roberts Guiffre im August 2019
       
       London taz | „Wie süß, sie trägt noch eine Mädchenunterhose“, so die Worte
       des Sexualverbrechers Jeffrey Epstein, als er Virginia Roberts Giuffre,
       damals 16 Jahre alt, zum ersten Mal vergewaltigte. Zu diesem Zeitpunkt
       hatte das Mädchen bereits Jahre des sexuellen Missbrauchs hinter sich.
       Begonnen hatte es, da war sie noch nicht einmal zehn Jahre alt, mit ihrem
       Vater und einem Nachbarn. Ihr Vater bestreitet dies.
       
       Roberts Guiffre war das mittlere Kind und die einzige Tochter von Lynn und
       Sky Roberts und wuchs in einer ländlichen Region Floridas in ärmlichen
       Verhältnissen auf. Die Einzelheiten ihrer brutalen sexuellen Ausbeutung,
       zunächst durch ihre Familie, dann durch Zuhälter, später durch mächtige
       Männer, hat sie am Dienstag in ihren Memoiren „Nobody’s Girl“ posthum
       veröffentlicht. Nur 41 Jahre alt, begann Roberts Giuffres im April Suizid.
       Es war nicht der erste Versuch der Mutter dreier Kinder, ihr Leben
       frühzeitig zu beenden.
       
       Immer wieder liest man im Buch detailreiche und schockierende Einzelheiten,
       was sie alles ertragen musste: schwere Schläge, Würgen, Verletzungen bis
       aufs Blut, Schwellungen. Roberts Giuffre anonymisiert im Buch viele der
       Männer, die sie missbrauchten. Sie werden als „der Minister“, „Milliardär
       I“ und „Milliardär II“ im Buch aufgelistet, dem Letzteren soll eine
       Hotelkette gehört haben.
       
       Der Sex mit dem britischen Königsbruder Prinz Andrew, der dreimal auf
       Wunsch des damaligen US-Milliardärs Jeffrey Epsteins stattgefunden haben
       soll – [1][der Prinz bestreitet es] –, ist dabei fast nur noch beiläufig.
       Prinz Andrew hätte einen Fußfetischismus gehabt, heißt es in dem Buch. Das
       Foto mit dem Prinzen, der damals 41 Jahre alt war, sie 17, war ein kleiner
       Sieg für Roberts Giuffre.
       
       Ein Ausdruck von Selbstbestimmung: Denn, so heißt es in den Memoiren, es
       sei Roberts Giuffre gewesen, die darauf bestand, das Foto ihrer Mutter zu
       schicken. Und auf dem Foto trage sie auch nicht die Kleidung, die die
       Männer von ihr gefordert hätten.
       
       Zu Epstein gelangte Roberts Giuffre über einen Job in Donald Trumps
       Mar-a-Lago-Resort in Florida, wo ihr Vater als Hausmeister tätig war. Dort
       wird sie von Epsteins Komplizin Ghislaine Maxwell aufgespürt und überredet,
       eine Massage an Epstein als Nebenverdienst auszuprobieren. Epstein erwartet
       sie nackt, Maxwell ebenfalls, Roberts Giuffre muss sich auch ausziehen.
       
       Epstein vergewaltigt die damals 16-Jährige; 200 US-Dollar erhält sie dafür.
       Epstein missbraucht sie in den nächsten zwei Jahren manchmal sogar mehrmals
       täglich und zwingt sie zum Sex mit anderen. Beim Sex habe sie ihn „Daddy“
       nennen sollen. Roberts Giuffre erinnert sich an die pink gehaltene Wohnung
       des Sexualtäters, die an eine Vulva erinnert habe.
       
       Roberts Giuffre gelingt es schließlich, Epstein zu überreden, ihr einen
       Massagekurs in Thailand zu finanzieren. Dort trifft und heiratet sie den
       australischen Kampfsportlehrer Robert Giuffre und folgt ihm nach
       Australien. Ihn beschreibt Roberts Giuffre als ihren Retter, doch die
       Beziehung soll komplex gewesen sein. 2024 trennen sich die beiden, die
       Kinder bleiben beim Vater.
       
       Roberts Giuffre ging später gerichtlich gegen ihre einstigen Peiniger vor
       und gründete die Hilfsorganisation Speak Out, Act, Reclaim, kurz Soar, für
       Betroffene sexuellen Missbrauchs. Dass [2][Prinz Andrew am Freitag
       vergangener Woche seine royalen Titel niederlegte,] hätte Roberts Giuffre
       sicher als Sieg empfunden, sagte Amy Wallace, die Roberts Giuffre mit dem
       Buch half. In den Memoiren heißt es, wenn das Buch „auch nur einer Person
       hilft, habe ich mein Ziel erreicht“.
       
       22 Oct 2025
       
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