# taz.de -- vergoldet: Lauter Versorgungsfälle im Bremer Senat
Ganze drei Senator*innen des Bremer Senats haben diesen Sommer ihren
Rücktritt angekündigt. Die Opposition wittert Blut und schaut, ob da nicht
noch mehr zu holen ist. Vor allem der Rücktritt von Umweltsenatorin Kathrin
Moosdorf (Grüne) bietet sich an – der Grund war eher banal: Ihre
Staatsrätin hatte sie auf deren Wunsch hin in einen gut bezahlten
„einstweiligen Ruhestand“ geschickt – obwohl es für das Land Bremen
deutlich günstigere Lösungen gegeben hätte. Irgendwem fiel das auf und
Moosdorf verstrickte sich in Widersprüche, aus denen sie sich nicht mehr
herausholen konnte.
Die CDU hat nun eine ganz ähnliche Geschichte ausgegraben – und nimmt
Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) ins Visier. Im Sommer 2023 war
Wirtschaftsstaatsrat Sven Wiebe von Vogt unter großem öffentlichen Lob in
den einstweiligen Ruhestand entlassen worden. Die ungeschickte Begründung:
Der 60-Jährige habe sich dazu entschieden, „mehr Zeit mit seiner Familie zu
verbringen“.
So eine „einstweilige Entlassung“ bedeutet, dass Wiebe noch drei weitere
Jahre gut 71 Prozent seines üppigen Staatsrätehonorars bekommt – und danach
ohne Abzüge direkt in die Pension rutscht. Das teure Instrument des
„einstweiligen Ruhestands“ ist eine Sonderlösung für Staatsrät*innen und
soll nur gezogen werden, wenn das (politische) Vertrauen der Vorgesetzten
fehlt – zum Beispiel bei einer Ressortumgestaltung nach einer Wahl. Dass
Vogt ihren Staatsrat in der Entlassungsankündigung in allen Belangen gelobt
hatte, passt nicht dazu.
Die Zutaten in beiden Fällen sind fast dieselben: der eigene Wunsch nach
Entlassung von den beiden Staatsrät*inne, sowie das große öffentliche Lob
der Senatorinnen. Man darf trotzdem vermuten, dass Kristina Vogt jetzt
nicht zurücktreten wird. Eine erste Verteidigung ist schon ausgelegt: Wegen
„seiner familiären Situation“ sei Staatsrat Wiebe 2023 zeitlich nicht mehr
in der Lage gewesen, seine Aufgaben zu erfüllen. Öffentlich machen wollte
die Senatorin ihre Zweifel an dem langjährigen Mitarbeiter aber nicht – aus
Loyalität.
Die Begründung funktioniert halbwegs – und damit vermutlich ausreichend.
Wer sein Amt behalten will und eine dicke Haut hat, der wird wegen eines
Staatsrats im Ruhestand kaum zurücktreten. Umweltsenatorin Moosdorf dagegen
hatte nicht so viel zu verlieren: Die einflussreichen Teile ihres Ressorts
waren zu Beginn der Legislatur ausgegliedert worden.
Übrigens: Natürlich hat auch die CDU schon Staatsräte mit goldenem
Handschlag entlassen: Innensenator Bernt Schulte etwa entließ 2000 seinen
Staatsrat Wolfgang Goehler mit den besten Empfehlungen in den einstweiligen
Ruhestand – aus „gesundheitlichen Gründen“. Der korrekte Abgang wäre wohl
eine „vorzeitige Versetzung in den Ruhestand wegen Dienstunfähigkeit“
gewesen. Die aber geht mit Abstrichen bei den Pensionsansprüchen einher.
Der Fall Goehler ist natürlich längst verjährt – einer der Vorteile, wenn
man wie die CDU in Bremen seit Ewigkeiten nicht mehr selbst regiert hat.
Aber dass Senator*innen in Bremen in Zukunft zweimal überlegen, bevor
sie sich in dieser Unart üben, das ist allemal eine gute Nachricht.
Insofern doch noch mal: Danke, Frau Moosdorf. Lotta Drügemöller
15 Oct 2025
## AUTOREN
(DIR) Lotta Drügemöller
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