# taz.de -- momentaufnahmen: Wenn es sprachlich ein Problem gibt
       
       Der Kassierer im Supermarkt an der Bülowstraße hat den jungen Mann mit der
       großen weißen Perlenkette und dem knallroten Trenchcoat nicht verstanden.
       Es geht irgendwie um Wechselgeld, und das auf Englisch. Er fragt ihn
       höflich, ob er es ihm auf Deutsch wiederholen könnte. Der Kunde wird
       wütend. Er würde doch die Sprache der Nazis nicht sprechen, schreit er in
       nun gut verständlichem Englisch. Aber er sei doch hier in Deutschland,
       antwortet ihm der Angestellte, der offensichtlich Englisch versteht, immer
       noch höflich. Der Kunde wiederholt ärgerlich, dass ihn diese Nazisprache
       nicht interessiere. Und er sich von Nazimethoden nicht einschüchtern lasse.
       
       Nun wird der Kassierer, nicht viel älter als der Kunde, wütend. Er lasse
       sich doch nicht als Nazi beschimpfen. Er ruft den Abteilungsleiter, erklärt
       dem die Situation. Der packt die Ware des Kunden wortlos in den
       Einkaufskorb zurück, stellt ihn zur Seite und verabschiedet den Kunden mit
       einem freundlichen „Goodbye“.
       
       Der verlässt sichtlich irritiert und ohne Ware den Laden. An der Tür aber
       findet er sein Selbstbewusstsein wieder und verabschiedet sich mit einem
       lauten „Fuck you!“. Edith Kresta
       
       11 Oct 2025
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Edith Kresta
       
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