# taz.de -- Andreas Speit Der rechte Rand: Wie die Querdenker neue Felder besetzen
       
       Sie haben gegen die staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie
       protestiert, Maskenpflicht und Impfregelungen abgelehnt: Im Winter
       2021/2022 gingen Tausende selbsternannte Querdenker auf die Straße. Die
       Covid-19-Pandemie? In ihren Augen eine „geplante Panikmache“. In
       Norddeutschland etablierten sich verschiedene Organisator*innen, Hamburg
       wurde zu so was wie der Hauptstadt der Bewegung. Alleine [1][am 8. Januar
       2022 folgten hier rund 16.000 Menschen dem Aufruf zur Demo] „Das Maß ist
       voll – Hände weg von unseren Kindern“. So viele wurden es nicht mehr. Die
       Frage ist: Wo sind die alle hin?
       
       Die Querdenker sind aus der politisch bewussten Mitte der Gesellschaft
       entstanden. [2][Eine Studie] [3][der Heinrich-Böll-Stiftung] [4][über die
       Querdenken-Bewegung in Baden-Württemberg], deren Ergebnisse auch auf
       Hamburg übertragbar sind, zeigt auf, dass sich die Bewegung aus vier
       Milieus zusammensetzt: dem alternativen, dem anthroposophischen, dem
       christlich-evangelikalen und dem bürgerlichen Milieu. Diese Milieus haben
       sie nicht verlassen. Heute tragen einzelne Aktive von damals
       Anti-Kriegsprotest wegen des russischen Angriffs auf die Urkaine mit,
       andere stehen zur [5][Free-Palestine-Bewegung]. Andere bemühen sich, freie
       Schulen oder Tagungszentren zu eröffnen. Eine Querdenkerin kandidierte im
       Februar für „Die Wahl für Frieden und soziale Gerechtigkeit“ bei der
       [6][Hamburger Bürgerschaftswahl].
       
       Die Hinwendung zu anderen Themen war bereits vor dem offiziellen Ende der
       Pandemie-Maßnahmen im April 2023 erkennbar. In ihren Telegramm-Kanälen
       wetterten die Querdenker über Klima- und Gender-Wahn, sie [7][verknüpften
       den russischen Angriffskrieg mit der Coronapandemie] und das „Bürger
       Bündnis Hamburg – Wir stehen auf“ führte 2023 bei Telegramm aus, dass „wir
       von den Medien“ „gefüttert“ werden, „um Israels Krieg gegen den Gaza zu
       rechtfertigen“.
       
       Bis heute sind die Querdenker mit ihren Telegram- und Facebook-Accounts
       präsent. Der „Labberkanal HH“ zum Beispiel stellte in diesem Jahr fest,
       dass die Schulbildung ein „System für völlig Verblödete“ sei, in dem „fein
       auswendig“ gelernt werde, „was die globalen Verbrecher vorgeben“, die
       Bilder zu „[8][9/11] sind computeranimiert“ und das [9][Attentat auf
       Charlie Kirk]? Soll der Mossad gewesen sein.
       
       Verschwörungsnarrative sind der Kitt der Bewegung und führten zur
       Radikalisierung. [10][2021 erschoss ein Querdenker einen
       Tankstellenverkäufer in Idar-Oberstein, um „ein Zeichen“ gegen die
       Coronapolitik zu setzen]. Heute sind einige Querdenker längst im Spektrum
       von Reichsideolog*innen angekommen. Vor Gericht standen und stehen
       Männer und Frauen, die einen „Tag X“ planten. Einer verletzte im
       Schusswechsel einen Polizeibeamten.
       
       Die [11][Studie „Verschwörungsglaube als gesellschaftlicher Risikofaktor“]
       offenbarte in diesem Jahr, dass alleine 61 Prozent der Befragten
       „teils/teils“ bis „(sehr) wahrscheinlich“ fanden, dass „geheime
       Organisationen“ großen Einfluss auf politische Entscheidungen hätten. Die
       Querdenker? Sind noch da.
       
       7 Oct 2025
       
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 (DIR) Andreas Speit
       
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