# taz.de -- herzensort: Sitzenbleiben, innehalten
       
       Sie steht am Rand des Feldwegs über dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin:
       die Bank aus zwei halben Baumstämmen, einer als Sitzfläche, einer als
       Lehne, und zwei Stümpfen als Füße. Keine, die schon etwas morsch ist oder
       auf der sich Flechten ausbreiten. Keine, die halb zerfällt oder bei der
       eine Latte der Sitzfläche fehlt. Entweder bleibt diese Bank seit Jahren wie
       durch ein Wunder in einem sehr guten Zustand – oder der
       Dorfverschönerungsverein hat sich ihrer angenommen.
       
       Unzählige Male habe ich sie aufgesucht: Wenn ich als Teenagerin sauer auf
       meine Eltern war und Abstand brauchte. Für eine kurze Verschnaufpause
       während meiner ebenso kurzen Jogging-Phase. Oder mit Freundinnen aus der
       Stadt, um ihnen die Aussieht über die Felder und Nachbardörfer und das etwa
       zehn Kilometer entfernte Göttingen zu zeigen. Da ist die ländliche Ruhe und
       gleichzeitig die so nah wirkende Stadt. Mir und ihnen beweise ich damit: In
       der Ödnis sind wir hier nicht.
       
       Länger schon bin ich nicht mehr zielstrebig zu ihr hinspaziert, sondern nur
       dran vorbei. Vielleicht wäre es mal wieder an der Zeit, Halt zu machen.
       Clarissa Hofmann
       
       20 Sep 2025
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Clarissa Hofmann
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA