# taz.de -- Alle schauen auf Lena Oberdorf und ihr Debüt bei Bayern München
       
       > Beim Supercup zwischen München und Wolfsburg deutet sich an, ob
       > Frauenfußball auch nach der EM angenommen wird. Die Zeichen stehen gut
       
       Von Frank Hellmann
       
       Eigentlich hätte für die Ankündigungsplakate beim Supercup der Frauen ein
       einziges Konterfei gereicht: Lena Oberdorf. Als am 16. Juli 2024 beim
       EM-Qualifikationsspiel gegen Österreich deren Kreuzband und der Meniskus
       kaputtgingen, konnte ja niemand ahnen, dass bis zum ersten
       Pflichtspieleinsatz mehr als 13 Monate vergehen würden. Nun richten sich
       beim Kräftemessen zwischen Meister FC Bayern und Vizemeister VfL Wolfsburg
       in Karlsruhe (Samstag 14 Uhr/ZDF und MagentaSport) alle Blicke auf die
       Mittelfeldspielerin, die bei den Olympischen Spielen 2024 und der EM 2025
       in der Schweiz fehlte.
       
       „Es war die Hölle“, sagte Oberdorf dem Bayern-Vereinsmagazin. Um die
       Erwartungen zu dämpfen, sage sie sich immer wieder: „Ich muss mir Zeit
       geben, um wieder auf mein altes Niveau zu kommen. Das geht nicht von heute
       auf morgen.“ Sie hat sich zwischenzeitlich zur Ablenkung als DJ
       ausprobiert, wieder Gitarre gespielt, einen Podcast aufgelegt und einen
       Hund zugelegt, der sogar einen eigenen Instagram-Kanal bekommen hat. Denn
       die Genesung zog sich extrem in die Länge.
       
       Als Bundestrainer Christian Wück die 51-fache Nationalspielerin zur
       Länderspielmaßnahme nach Bremen lud, wirkte sie trotz der engen
       Verbundenheit zu ihren Mitspielerinnen noch wie ein Fremdkörper auf dem
       Platz. Der Verzicht auf die EM war die logische Konsequenz. Nun macht sie
       eine gute Vorbereitung, „aber man sieht hier und da auch, dass es noch
       nicht absolute 110 Prozent sind“, sagt Bayern-Sportdirektorin Bianca Rech.
       Bei den Testspielen gegen Real Madrid (4:1) und Olympique Lyon (1:4) kam
       „Obi“ bereits zum Einsatz.
       
       Der neue Bayern-Coach José Barcala sagt: „Sie wird besser und besser. Sie
       kann spielen.“ Für Oberdorfs Freundin Lea Schüller ist klar: „Sie hatte
       eine lange Vorbereitung und ist auf dem gleichen Stand wie alle anderen
       Spielerinnen.“
       
       Die FCB-Frauen gehen als Favoritinnen in eine Saison, in der der FC Bayern
       am 6. September gegen Bayer Leverkusen vor einer Rekordkulisse die Saison
       eröffnet. 44.000 Tickets sind schon verkauft. Viele Menschen sehnen sich
       nach den von den EM-Dramen bekannten Gesichtern.
       
       Für den Supercup sind bislang rund 15.000 Karten abgesetzt. Erst im Vorjahr
       wurde diese Partie überhaupt nach langer Pause wiederbelebt. 16.690
       Zuschauer sahen in Dresden einen mühsamen 1:0-Sieg der noch von den
       Olympia-Strapazen gezeichneten Bayern-Spielerinnen. Diesmal war die Pause
       nach der EM zwar länger, es wird aber nicht reichen, dass DFB-Kapitänin
       Giulia Gwinn nach ihrer Innenbandverletzung wieder aufläuft.
       
       Weitere Ab- und Zugänge wird es laut Rech nicht geben. Der Klub hat bis auf
       Sydney Lohmann (Manchester City) keine Leistungsträgerin verloren. Im
       Grunde schaffen es nur noch die Bayern, ihre Topspielerinnen zu halten. Der
       VfL Wolfsburg hat – genau wie Eintracht Frankfurt – einen gewaltigen
       Umbruch hinter sich, so dass die Münchnerinnen erster Anwärter auf das
       nationale Triple aus Supercup, Meisterschaft und DFB-Pokal sind.
       
       „Wir wollen der hungrige Herausforderer sein“, beteuerte Stephan Lerch, der
       als Trainer zum Werksklub zurückkehrte. VfL-Macher Ralf Kellermann hat
       trotz des Substanzverlustes einen spannenden Kader gebastelt, der wieder
       mehr Gier entwickeln soll. In Wolfsburg hat Oberdorf von 2020 bis 2024
       immerhin 112 Pflichtspiele bestritten und mit den „Wölfinnen“ fünf Titel
       gewonnen. Für den FC Bayern bestreitet sie nun das erste Pflichtspiel.
       
       29 Aug 2025
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Frank Hellmann
       
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