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       ## Was steht da unter dem Foto?
       
       Die „tazzige Bildunterzeile“ ist ein eigenes Genre und widersetzt sich
       jeglichem journalistischen Standard. Die Leser*innen informiert man
       dabei nicht darüber, wo und wann das Foto aufgenommen wurde und zu welchem
       Anlass. Stattdessen wird versucht, meistens sehr kreativ, den Geist des
       Textes in wolkigen Worten unter das Bild zu setzen. In den Anfangszeiten
       der taz machte diese Fertigkeit durchaus Sinn.
       
       Denn nur der Text konnte direkt an die Druckereien übertragen werden. Die
       Fotos und die Anzeigen mussten täglich als Luftfracht in der Hamburger und
       Frankfurter Druckerei ankommen. Die Fotoredaktion hatte nach der
       Redaktionskonferenz knappe 90 Minuten Zeit, die Fotos auszuwählen. Und zwar
       für Artikel, die noch nicht geschrieben waren, und für Texte, für die noch
       nicht mal eine Idee existierte. Deshalb gab und gibt es im taz-Handarchiv
       Fotomappen mit Begriffen wie Atmosphärisches, Mimik, Grafisches oder
       Gesten.
       
       In der Not gingen gerasterte Bilder auf die Reise, man sah etwa einen
       Puppenkopf auf der Straße oder die nächtlichen Schatten von Menschen. Die
       Redakteur*innen waren also gezwungen, durch die Bildunterschrift einen
       inneren Zusammenhang zu konstruieren. Dafür brauchte es viel Fantasie und
       eine gewisse Lässigkeit. Die Fotoredaktion hatte erst Feierabend, wenn die
       Druckerei die Fotokistenankunft bestätigte. Sollte das nicht passiert
       gewesen sein, musste sie Karikaturen und Strichzeichnungen faxen. Aber das
       ist eine andere Geschichte.
       
       Isabel Lott ist seit 1989 bei der taz und leitet die Fotoredaktion.
       
       25 Aug 2025
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) ISABEL LOTT
       
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