# taz.de -- momentaufnahmen: Wenn das Recht des Stärkeren gilt
Der Mann am Steuer grinst. Meine Kinder und ich quetschen uns an die Wand
der Autofähre nach Fehmarn, damit er uns nicht über die Füße fährt.
Wahrscheinlich statuiert er gerade ein Exempel. Wir hätten mit dem
Aussteigen warten müssen, bis die Spur neben uns vollgelaufen ist.
Willkommen zurück in Deutschland, denke ich, obwohl ich nicht weiß, ob er
Deutscher ist. Aber nach zwei Wochen Urlaub in Dänemark kann ich es mir
nicht anders vorstellen. Mir scheint dort das Gemeinwesen mehr zu zählen
als das Recht des Stärkeren. So orientieren sich Stadtplanung und
öffentlicher Personennahverkehr an den Bedürfnissen derer, die sie nutzen.
In den geräumigen Regionalbahnen nach Kopenhagen ist viel Platz für
Fahrräder. Wo immer es Wasser gibt, laden Stege zum Sonnen und Baden ein,
auch in der Hauptstadt. Dort gibt es saubere öffentliche Toiletten, selbst
an Bahnhöfen.
Und dann die Autobahnen: Weil alle wegen der Geschwindigkeitsbegrenzung
dasselbe Tempo fahren, ist es einfach, sich in den fließenden Verkehr
einzufädeln. Zudem gilt bei Auffahrten oft das Reißverschlussprinzip: Die
Fahrenden müssen Rücksicht auf Neulinge nehmen. Der Mann von der Fähre wird
es hassen. Eiken Bruhn
23 Aug 2025
## AUTOREN
(DIR) Eiken Bruhn
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