# taz.de -- berliner szenen: Sommer, Sonne, Panik
       
       Am Samstag feierte eine Freundin ihren Geburtstag an einem Badesee am Rande
       Berlins. Ein Picknick hatte sie vorbereitet. Es gab Nudelsalat,
       selbstgemachte Butter und Dips, Brot, Kekse, Kuchen, Eis, kalte Getränke,
       alles, was das von der Sonne erhitzte Herz begehrte. Die Stimmung war
       entspannt. Es wurde geredet, gebadet, gegessen, bis ich plötzlich
       aufschrie. Ein Insekt war in mein rechtes Ohr geflogen, so tief, dass man
       es weder sehen noch herausziehen konnte. Ich spürte nur den Flügelschlag
       und den Versuch des Tieres, immer weiter in meinen Gehörgang zu dringen,
       auch wenn es wahrscheinlich nur wieder raus wollte. Es war nicht nur
       furchtbar unangenehm, ich hatte auch Panik, dass es sich um eine Wespe oder
       Biene handeln könnte, die mich gleich im Ohr stechen würde. Ich stellte mir
       vor, wie mein ganzer Gehörgang, nein, mein ganzes Gehirn anschwellen würde,
       zumal erst vor wenigen Minuten mein Freund von einer Wespe in den Zeh
       gestochen worden war. Mir kam in diesem Moment auch mein Geburtstag vor
       zwei Jahren in den Sinn, den ich mit einer Hand, so dick wie ein
       Tennisball, verbrachte, weil ich von einer Biene gestochen worden war. Da
       ich nun wie verrückt gegen mein Ohr schlug, waren auch andere Badegäste auf
       mich aufmerksam geworden. Während ein Freund schon den Notarzt rief, kam
       eine Frau auf mich zu, die sich als Rettungsassistentin ausgab. Sie
       versuchte, mich zu beruhigen, was nur so semigut klappte.
       
       „Vielleicht ist es schon längst rausgeflogen“, meinte mein Freund, als er
       mit seiner Handytaschenlampe in mein Ohr leuchtete, aber nichts sah. „Ich
       bilde mir das doch nicht nur ein“, schrie ich leicht panisch. Etwa eine
       Minute später lag das Tier plötzlich vor mir im Gras: Es war ein grüner
       Käfer. Ein harmloser Schwefelkäfer, wie eine kurze Internetrecherche ergab.
       Der Notarzt wurde abbestellt.
       
       Eva Müller-Foell
       
       22 Aug 2025
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Eva Müller-Foell
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA