# taz.de -- Neuer Nationaltrainer über DBB-Team: „Ich lebe mit dem Druck und liebe ihn“
       
       > Nach drei erfolgreichen Turnieren hat das deutsche Basketballnationalteam
       > einen neuen Coach: Álex Mumbrú. Und der will unbedingt Europameister
       > werden.
       
 (IMG) Bild: Basketballstar Dennis Schröder (l.) mit seinem neuen Trainer Álex Mumbrú beim Freundschaftsspiel gegen Slowenien am 10. August
       
       taz: Herr Mumbrú, viele kennen Sie noch nicht. Können Sie sich bitte
       vorstellen? 
       
       Mumbrú: Ich heiße Álex Mumbrú, habe 21 Jahre selbst Basketball gespielt und
       in Spanien alles gewonnen, was man gewinnen kann. Mit der spanischen
       Nationalmannschaft haben wir Gold, Silber und drei Mal Bronze gewonnen und
       nach meiner Karriere bin ich Trainer geworden. Zuerst in Spanien und jetzt
       für die deutsche Nationalmannschaft.
       
       taz: Was war Ihre Reaktion, als Sie angefragt wurden? 
       
       Mumbrú: Ich habe sofort Ja gesagt. Der deutsche Basketballbund ist eine
       fantastische Organisation und [1][deutscher Basketball an sich auch
       international wichtig]. Die Jungs sind so tolle Spieler und auch
       Weltmeister, da muss man nicht lange drüber nachdenken, ob man sie coachen
       will.
       
       taz: Was für eine Art Trainer sind Sie denn? 
       
       Mumbrú: Ich möchte schnell spielen, der Ball soll geteilt werden und es
       soll gerannt werden. Außerdem liebe ich harte Verteidigung. Manche Teams
       machen das nicht, sie denken nur ans Werfen. Das mag ich nicht. Wir müssen
       als Team spielen und ich will diese Chemie im Team weiter ausbauen und
       genießen.
       
       taz: Verfolgen sie auch anderen Sport und was schauen Sie sich davon ab? 
       
       Mumbrú: Ich schaue fast alle Sportarten und versuche immer, auch etwas für
       mein Coaching mitzunehmen. Besonders, wenn’s um die Themen Teamchemie und
       Umgang zwischen Trainern und Spielern geht. Sonst schaue ich natürlich viel
       Basketball, eigentlich immer, und verfolge natürlich besonders die
       deutschen Talente überall auf der Welt.
       
       taz: Was fasziniert Sie am Basketball so? 
       
       Mumbrú: Basketball ist mein Leben. Ich habe mit sieben Jahren angefangen
       und bin jetzt 46. Ich liebe alles an diesem Sport. Innerhalb von einer
       Minute oder manchmal nur zwei Sekunden kann sich alles verändern. Man kann
       so schnell gewinnen oder verlieren, es hängt ganz viel von diesen kleinen
       Momenten ab. So etwas gibt es nur im Basketball.
       
       taz: Mit Blick auf die NBA fehlen Ihnen leider ein paar Spieler. Wie schwer
       ist der Verlust dieser Qualität? 
       
       Mumbrú: Wir sind leider auf der Center-Position wegen der ganzen Ausfälle
       nicht komplett besetzt. Moritz Wagner, Isaiah Hartenstein und Ariel
       Hukporti fehlen da und auch Maxi Kleber ist nicht dabei. Wir haben aber
       andere herausragende Spieler, denen ich vertraue und denen das ganze Team
       vertraut. Ich glaube an dieses Team und wir arbeiten hart, um ganz oben
       mitzuspielen. Aber wir müssen besonders jetzt am Anfang alles Schritt für
       Schritt angehen.
       
       taz: Trotzdem sind bei Ihnen und bei den anderen Teams viele NBA-Spieler
       dabei und das, obwohl sie sich verletzen könnten und dann in der NBA
       ausfallen würden. Warum ist das so? 
       
       Mumbrú: Viele Spieler haben einfach eine sehr enge Verbindung zu ihren
       Nationalteams. Und der europäische Basketball ist in den letzten Jahren
       einfach sehr interessant und auch nochmal viel besser geworden. Deshalb
       kommen viele und das ist auch einfach toll für den europäischen Basketball.
       
       taz: Verfolgen Sie auch den [2][deutschen Nachwuchs]? Viele davon sind ja
       auch auf amerikanischen Colleges. 
       
       Mumbrú: Natürlich, und wir stehen auch mit einigen in Kontakt. Anderson
       Jr., unser jüngster Spieler im Trainingslager, ist auch momentan auf dem
       College. Für die meisten ist es aber sehr schwer, [3][während der
       Collegezeit] hierherzukommen. Aber ihre Zeit wird kommen. Sie sind Teil der
       Zukunft des deutschen Basketballs.
       
       taz: Sie haben Ihr Team jetzt schon ein bisschen kennengelernt. Wie würden
       Sie sie beschreiben? 
       
       Mumbrú: Wir haben einen unglaublich hohen Spiel-IQ und wissen einfach, wie
       wir guten Team-Basketball spielen können. Das ist als Coach einfach toll.
       Die Jungs spielen auch eine harte Verteidigung und haben einfach eine
       unglaubliche Chemie innerhalb des Teams. Das zeigt sich auf, aber auch
       abseits des Platzes.
       
       taz: Gibt es auch Ego-Probleme bei so vielen Star-Spielern? 
       
       Mumbrú: Die gibt es immer. Jeder hat ein Ego, das er bedienen will. Aber
       besonders bei Teamsportarten ist es wichtig, das Ego in den Dienst des
       Teams zu stellen. Wenn das geschieht, ist alles gut, und dass das Team das
       kann, hat es ja schon oft gezeigt.
       
       taz: In drei Wochen beginnt die Europameisterschaft und Sie und das Team
       sind gerade im Trainingscamp. Wie bereiten Sie sich denn auf das Turnier
       vor? 
       
       Mumbrú: Wir lernen uns gerade erst kennen. Die letzten Jahre hat [4][Coach
       Herbert] einen unglaublichen Job gemacht und konnte die Jungs stetig auf
       das jeweils nächste Turnier vorbereiten. Ich bin jetzt neu und wir müssen
       uns aufeinander einstellen. Ich habe ein paar neue Ideen und Spielzüge, die
       ich implementieren will. Das braucht alles ein bisschen, aber wir schaffen
       das bis zum Beginn der EM.
       
       taz: Wer ist denn der gefährlichste Gegner? 
       
       Mumbrú: Ich habe absoluten Respekt vor allen Teams und glaube, dass jedes
       Spiel schwierig werden kann. Um Meister zu werden, muss man einfach sehr,
       sehr oft am Stück gewinnen, das ist tough. Trotzdem ist Serbien mit ihrem
       NBA-Star Nikola Jokić natürlich ein Gegner, auf den man schaut und auf den
       man sich vorbereitet.
       
       taz: Nachdem das Team die letzten Turniere so erfolgreich war, gibt es auch
       einen enormen Druck. Wie gehen Sie damit um? 
       
       Mumbrú: Diesen Druck spüre ich, seitdem ich 18 bin und professionell
       spiele. Bis jetzt. Ich lebe mit dem Druck und liebe ihn. Ich spüre ihn in
       jedem Wurf, in jedem Spielzug und jedem Spiel. Aber ich mag das und dieses
       Team mag das auch. Druck hat man nur, weil jemand etwas von einem erwartet.
       Und dann gibt man einfach 100 Prozent. Wenn man das tut, dann kann es gut
       ausgehen, aber es kann auch trotzdem schlecht ausgehen, das ist beides
       okay. Wir spielen mit 100 Prozent, das ist unser Druck.
       
       taz: Ganz ehrlich: Glauben Sie, Deutschland wird Europameister? 
       
       Mumbrú: Natürlich glaube ich das. Wenn wir das nicht tun würden, würden wir
       nicht zur EM fahren. Aber auch Spanien, Frankreich, Serbien und die Türkei
       glauben das. Trotzdem glauben wir alle, dass wir die Besten sind. Dafür
       arbeiten wir so hart.
       
       taz: Was würden Sie Zuschauern gerne sagen, die bei der EM zum ersten Mal
       Basketball schauen werden? 
       
       Mumbrú: Genießt es einfach! Basketball ist wirklich eine sehr, sehr, sehr
       gute Sportart.
       
       16 Aug 2025
       
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