# taz.de -- Krieg und Diebe: Räuber im Nachtzug
       
       > Nightjet fahren wird zum Albtraum, wenn plötzlich ein Dieb im Abteil ist.
       > Da hilft nur absperren. Leider lässt sich Krieg nicht so einfach
       > wegsperren.
       
 (IMG) Bild: Plakat vor dem Heeresgeschichtlichen Museum Wien
       
       Urlaubszeit, [1][die Schlafwagen der österreichischen Nightjets] sind voll
       besetzt. Herrlich wird man in den Schlaf geruckelt und von duftendem Kaffee
       geweckt. [2][Entspannter kann man nicht reisen.] Noch dazu, wenn die
       Schaffner*innen einnehmend charmant, witzig und behilflich sind.
       
       Ausführlich erläutern sie den Ablauf des Aufenthalts an Bord: wann es
       Frühstück gibt, wie das Abteil von innen zu verriegeln ist, dass es gegen 4
       Uhr in der Früh zu einer Störung der Nachtruhe wegen eines zeitlich
       unplanbaren Aufenthalts komme, da die Deutschen vor Bad Schandau die
       Reisepässe kontrollieren würden.
       
       Bei meiner Rückreise Anfang der Woche von Wien nach Berlin empfahl der
       Schaffner außerdem, die Wertsachen an die Fensterwand zu stellen, da mit
       Einbrechern zu rechnen sei.
       
       Meine drei Mitreisenden und ich schliefen um Mitternacht selig ein, die
       Wertsachen an der Wand, zwischen den Füßen und in der Hand, das
       Vorhängeschloss mehrfach überprüft. Aus dem Schlaf gerissen wurde ich, weil
       neben meinem Kopf jemand die Tür zuschob und irgendwas Missmutiges und die
       Mitreisende unter mir sagte: „Der war an den Sachen, der war an den Sachen,
       checkt eure Sachen.“ Sie weckte die ihr gegenüber noch schlafende Frau.
       „Der hat mit einer Taschenlampe in deine Tasche geleuchtet und alles
       durchwühlt. Ich hab dem direkt in die Augen geschaut.“
       
       ## Bis zum Tabakbeutel geschafft
       
       Während drei von uns null Komma nichts mitbekommen hatten, war sie früh
       genug wach geworden, um den Dieb zu vertreiben. Er hatte es nur bis zum
       Tabakbeutel geschafft, von dem er wohl vermutete, es könne ein Geldbeutel
       sein.
       
       Wie war der Typ ins Abteil gekommen? Er hatte offenbar das Kettenschloss
       easy aufbekommen. Wir trauten uns nicht aus dem Abteil, wollten dem Dieb
       nicht noch mal begegnen. Am Morgen ging ich ins Nachbarabteil, wo berichtet
       wurde, dass ihre Tür am Morgen einen Spalt breit offen gestanden hätte,
       aber wohl dank des Schlosses über der Tür nicht ganz aufgegangen sei.
       
       Schloss über der Tür? Au weia, das hatte uns niemand erzählt. Mit dieser
       zusätzlichen Sicherung lässt sich die Tür selbst bei geöffnetem
       Kettenschloss nur einen Spalt weit öffnen.
       
       Merke: Immer alles gut zu- und wegsperren, sonst kann die erholsame
       Nachtzugreise zu einem Albtraum werden.
       
       ## „Der Krieg gehört ins Museum“
       
       Gut zu- und weggesperrt ist in Wien übrigens derzeit die [3][„Panzerhalle“
       im Heeresgeschichtlichen Museum]. Wer durch den 3. Wiener Bezirk läuft,
       kann die 72 wuchtigen und prächtig verzierten Backsteingebäude nicht
       übersehen und auch nicht die großen Schilder, auf denen Fotos aus dem
       Ersten Weltkrieg zu sehen sind, auf denen der Slogan „Der Krieg gehört ins
       Museum“ steht. Sie führen zu einem Ort, der als Ruhmes- und Gedenkstätte
       der österreichischen Armee erbaut wurde: Nach der blutigen Niederschlagung
       der bürgerlichen Revolution 1848/49 ließ Kaiser Franz Joseph I. hier
       [4][das Arsenal samt Museum errichten.]
       
       Sein Slogan stammt allerdings nicht vom Kaiser. Er ist neueren Datums,
       wurde für das Gedenkjahr 2014 erfunden, in dem sich der Beginn des Ersten
       Weltkriegs zum 100. Mal jährte, und war pazifistisch gemeint. Das
       spektakulärste Ausstellungsobjekt: das Auto, in dem der österreichische
       Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajevo 1914 erschossen wurde, der Auslöser
       von WKI.
       
       Das Museum wusste bei der Konzeption des Slogans mutmaßlich nicht, dass
       sich Putin für das Kriegsgedenkjahr 2014 ebenfalls was ausgedacht hatte: Er
       annektierte die ukrainische Halbinsel Krim.
       
       Wie geht nun ein Museum damit um, dass sich Europa wieder aufrüstet? „Wegen
       Umbau geschlossen“, heißt es vor der Panzerhalle. Dort stehen unter anderem
       M60-Panzer, die in der Ukraine zum Einsatz kommen. Was wohl zu sehen sein
       wird, wenn sie wieder aufmacht? Taurus-Marschflugkörper?
       
       30 Jul 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Nachtzug-von-Innsbruck-nach-Hamburg/!5971846
 (DIR) [2] https://www.nightjet.com/
 (DIR) [3] https://www.hgm.at/besuch/heeresgeschichtliches-museum/ausstellungen/panzerhalle
 (DIR) [4] https://de.wikipedia.org/wiki/Heeresgeschichtliches_Museum
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Doris Akrap
       
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