# taz.de -- berliner szenen: Ohne Putzen nach New York
Nach Dampfbad und Dusche trockne ich mich ab, als ein Steglitzer
Damendreier den Umkleideraum übernimmt. Die Erste: „Ende nächster Woche
geht es mit dem Schiff um die Britischen Inseln für 4 Wochen!“ Die Zweite:
„Dann sehen wir dich erst mal nicht?“ „Ja, ich muss vorher noch viel
saubermachen.“ Die Dritte schaltet sich ein: „Ich fliege in 14 Tagen, die
Fenster sind unbedingt vorher dran. Mein Mann sagt immer, wenn Glas durchs
Putzen abgetragen würde, bräuchten wir jedes Jahr neue Fenster.“ Die Erste:
„Ich putze sie immer, bevor ich wegfahre. Wenn mir unterwegs etwas passiert
und die Kinder in die Wohnung müssen und die Fenster sind blind vor Dreck,
das wäre mir nüscht. Und meine Nachbarin, die Blumen gießt, soll auch nicht
denken müssen, ich sei eine Schlampe.“ Die Zweite: „Vorm Urlaub ziehe ich
immer die Betten ab. Wenn ich zurück bin, habe ich genug Wäsche. Die
Bettbezüge noch dazu, das ist zu viel.“ „Auf dem Schiff gibt es eine
Waschmaschine, ich komme mit sauberen Sachen zurück.“ Die Dritte: „Das ist
super. In dem Häuschen in Spanien steht auch eine. Zuhause schmeiß ich dann
nur noch die Kleidung vom Rückflug in die Maschine.“ Ich muss an eine
frühere Kollegin denken. Sie kam mit deutscher Waschmaschine und Megapearls
nach New York City, da amerikanische Maschinen keinen 90 Grad Waschgang
kannten. Unsere Freundschaft begann mit ihrer Frage: „Könntest du mir zum
Wochenende all deine weißen Blusen und T-Shirts mitbringen, ich würde sie
gern mal durchkochen, der Grauschleier stört.“
Ich bin versucht, den Dreien zu stecken: Vor 25 Jahren hatte ich die Tür
ins Schloss fallen lassen, einen Flug nach New York City genommen, um dort
zu bleiben, und es vertrauensvoll meinem Hamburger Netzwerk überlassen, in
meiner Wohnung klar Schiff zu machen.
Silke Mohr
27 Jun 2025
## AUTOREN
(DIR) Silke Mohr
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