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       ## Und alles wirkt so harmonisch
       
       Vielleicht kennen Sie, liebe Leser*innen, das von Ihrem Job: Es gibt eine
       Filiale, ein Produkt, jedenfalls irgendeinen Moment, in dem die Früchte der
       Arbeit auf die Kundschaft stoßen. Wenn man die fragt, äußert sie sich
       höchst zufrieden: alles super, gerne wieder! Im Hinterzimmer aber herrschen
       Zeter und Mordio: Ärger mit dem Chef, Streit mit Kolleg*innen, Diskussionen
       über kleinste Details werden zu großen Konflikten, und ständig geht’s
       natürlich ums Geld.
       
       Neulich meinte eine befreundete Kollegin von einem konkurrierenden Medium
       zu mir, sie beneide uns um unsere Nahost-Berichterstattung. Wir hätten so
       tolle Berichte sowie unterschiedlichste Perspektiven in guter Gewichtung.
       Die Leserschaft bekomme umfangreiche Informationen und zudem ein
       breitestmögliches Bild vom linken Diskurs. Und alles wirke so harmonisch.
       
       Dabei ringen wir jeden Tag. Was weiß sie von den Diskussionen in unseren
       Konferenzen – und jenen abseits davon? Von seitenweise ausgetragenen
       Meinungsunterschieden in Mails und Chats? Was ahnt sie von der Frustration
       mancher Redakteur- und Autor*innen? Und von dem erheblichen Stress und
       der Gefahr, denen jene ausgesetzt sind, die für uns vor Ort aus Israel,
       Gaza, Libanon oder Jemen berichten?
       
       Mutmaßlich wenig. Aber muss sie das? Die Kollegin fragt nach, wie es bei
       uns so läuft, „beim Thema Nahost“. Ich denke: alles super, gerne wieder.
       Konstantin Nowotny
       
       8 Apr 2025
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Konstantin Nowotny
       
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