# taz.de -- Krise bei RB Leipzig: Stagnation auf hohem Niveau
       
       > Bei RB Leipzig muss Marco Rose mit seiner Entlassung ausbaden, was schon
       > länger schiefläuft. Die Identität des Klubs dürfte sich drastisch ändern.
       
 (IMG) Bild: Sündenbock für größere Versäumnisse: Marco Rose
       
       Auf die „Wall of Fame“ hat es [1][Marco Rose] noch geschafft. Sein
       ikonisches Bild, leicht angeschlagen, mit rotem Anglerhut tief ins Gesicht
       gezogen, breit grinsend, ist auf einer Wand in den Tiefen des ehemaligen
       Leipziger Zentralstadions verewigt. Er gehört damit zu den „Legenden“ des
       Klubs. Doch Trainer von RB Leipzig ist Rose seit Sonntag nicht mehr.
       
       Ein blutleeres 0:1 bei Borussia Mönchengladbach, einem direkten
       Konkurrenten im Kampf um die internationalen Wettbewerbe, [2][kostete den
       gebürtigen Leipziger den Job]. Nach 125 Pflichtspielen. Schon zwei Mal
       hatte er zuvor auf der Kippe gestanden, jetzt wollten die Bosse handeln, da
       die Qualifikation des Männerteams zur Champions League akut in Gefahr ist.
       „Ausbleibende Ergebnisse“, „neuer Impuls“ und „Saisonziele erreichen“ waren
       die Schlagworte von Marcel Schäfer, Sportgeschäftsführer bei RB, mit denen
       er die Trennung begründete. Zusammen mit dem [3][„Head of Global Soccer“,
       Jürgen Klopp], gilt Schäfer als einer der letzten Fürsprecher von Rose. Sie
       wollten eigentlich die Saison sauber zu Ende bringen. Doch jetzt scheint
       ein tiefgreifender Umbau unausweichlich.
       
       Entscheidend für den Prozess ist [4][Oliver Mintzlaff]. Er ist
       Geschäftsführer bei Red Bull und Aufsichtsratschef im Klub. Im September
       hatte er in einem viel beachteten Interview mit dem Kicker gesagt: „Wir
       waren leider noch nie da, wenn die Lücke aufging.“ Er will um die
       Meisterschaft spielen. Aktuell trennen RB und Bayern 23 Punkte.
       
       Mintzlaff ist der nimmermüde Antreiber im Klub. Er hat eine gewisse
       Zufriedenheit im RB-Fußball-Kosmos gespürt, wollte deshalb wachrütteln. So
       wurde „Kloppo“ dazugeholt. In den bisherigen acht Bundesliga-Saisons
       erreichte RB sechs Mal zwischen 65 und 67 Punkte. Das reicht für die
       Königsklasse, aber nicht für die Meisterschaft. Die beiden Pokalsiege 2022
       und 2023 kaschierten lange eine Stagnation auf höchstem Niveau. In dieser
       Saison gab es einen klaren Rückschritt.
       
       ## Bemüht, aber oft planlos
       
       Das liegt auch an Rose. Nach einem starken Saisonstart konnte die
       Mannschaft zu selten ihr Potenzial abrufen. Die Spieler wirkten bemüht,
       aber oft auch planlos. In den letzten fünf Auswärtsspielen gelang kein Tor.
       Sieben Saisonspiele verlor RB trotz einer Führung. In der Königsklasse
       wurden sieben von acht Spielen verloren. Horrorzahlen für die Ambitionen
       des Klubs.
       
       Was allerdings auch stimmt: Der kleine Kader war in dieser Saison von
       Verletzungen gebeutelt. Vor allem der Ausfall von Xaver Schlager wiegt
       schwer. Der Österreicher ist Taktgeber auf der Sechs und Führungsspieler.
       Von denen gibt es im Team zu wenig, die Gruppe schien auseinander zu
       fallen.
       
       ## Talente anlocken und weiterverkaufen
       
       Das hat auch mit [5][dem Geschäftsmodell von RB] zu tun: Die größten
       Talente anlocken, entwickeln und dann an die Allergrößten weiterverkaufen.
       Der nächste, der diesen Weg geht, dürfte Benjamin Sesko sein. „FC Barcelona
       oder Manchester United?“, scheint bei ihm die einzige Frage zu sein. So
       wirkt es manchmal, als wären die Spieler mit einem Bein in Leipzig und mit
       einem schon wieder weg. Aufgefangen werden sollte das von einer erfahrenen
       Achse.
       
       Mit dem 22-fachen Nationalspieler Lukas Klostermann (seit 2014 im Klub),
       Yussuf Poulsen (2013), Willi Orban (2015), Peter Gulacsi (2015) und Kevin
       Kampl (2017) stehen fünf der sechs Rekordspieler des Vereins noch im Kader.
       Bis auf Gulacsi und mit Abstrichen Orban verkörpern sie aber nicht mehr
       allerhöchstes Bundesliganiveau. Wie geht es mit dieser identitätsstiftenden
       Gruppe im Somme? Ein großer Umbruch scheint unausweichlich.
       
       ## Ende der Wohlfühlgeschichte
       
       Lange wurde in Leipzig gerne die Wohlfühlgeschichte erzählt, dass dieser
       Kern gemeinsam von der 2. Liga [6][bis ins Pokalfinale] gestürmt ist. Dann
       kam noch der Leipziger Rose hinzu, der zweite Pokaltitel wurde geholt. Doch
       diese Geschichte scheint jetzt zum Ende zu kommen. Mit Zsolt Löw übernimmt
       der „Head of Soccer Development“ bis zum Saisonende. Er war zuletzt die
       rechte Hand von Klopp. Löws Aufgabe: Gegen den VfB Stuttgart am Mittwoch
       ins Pokalfinale einziehen und irgendwie die Top 4 in der Liga erreichen.
       Andernfalls wird es sehr kühl in Leipzig.
       
       1 Apr 2025
       
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