# taz.de -- Pokalschreck Bielefeld schlägt Bremen: Vorne drauf gegen die Großen
       
       > Drittligist Arminia Bielefeld steht im DFB-Pokalhalbfinale. Werder Bremen
       > ist schon der dritte Erstligist, dem der Außenseiter zum Verhängnis wird.
       
 (IMG) Bild: Ein Herz für die Kleinen: Der einstige SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert steht unerwartet auf der Gewinnerseite
       
       Berlin taz | Als Marius Wörl hinterher unter der Westtribüne der
       Bielefelder Alm stand, sollte Arminias Offensivspieler noch einmal von
       seinem Tor und der Herangehensweise gegen den Bundesligisten Werder Bremen
       berichten. Der 20-Jährige klang dabei teilweise gar nicht wie ein Spieler
       eines Drittligisten. Denn er trug einen Ansatz vor, der sich nach
       verkehrter Welt anhörte. „Wir wussten, dass wir vorne draufgehen müssen, um
       Bremen immer wieder zu Fehlern zu zwingen“, sagte Wörl nach dem verdienten
       2:1 (2:0)-Sieg im Viertelfinale des DFB-Pokals gegen den Favoriten. Bei
       seinem Führungstor habe genau das „gut geklappt“.
       
       Es ist der Reiz dieses Wettbewerbs, [1][dass die Kleinen die Großen ärgern]
       und in diesen seltenen Momenten in ihrem Kicker-Dasein bundesweite
       Aufmerksamkeit genießen. Das gilt so auch für die Arminia, die in der
       dritten Liga immerhin auf Tabellenplatz vier steht. Anders aber ist, dass
       die Bielefelder am Dienstagabend mit einem erneut teils unkonventionellen
       Stil ins Halbfinale eingezogen waren und dafür mit 3,35 Millionen Euro
       DFB-Prämie sowie einer rauschenden Partynacht im Bielefelder Club Café
       Europa belohnt wurden. Getrübt wurde die Freude allerdings durch den
       Verdacht auf einen Kreuzbandriss bei Stürmer Roberts Uldrikis.
       
       Schon in den Runden zuvor [2][hatte Arminia] mit ihrer ganz eigenen
       Pokalspielweise die ebenfalls verdienten Siege gegen den Zweitligisten
       Hannover 96 (2:0) sowie die Bundesligisten Union Berlin (2:0) und SC
       Freiburg (3:1) erwirtschaftet. Auch in diesen Vergleichen mit den
       jeweiligen Favoriten hatten die Bielefelder einen mutigen Außenseiterstil
       gepflegt. Das situative, unerschrockene Pressing gehört ebenso zu Arminias
       Pokalstil gegen höherklassige Mannschaften wie kämpferische Elemente und
       Konter. Zugleich zeigt die Arminia immer wieder Ballbesitzphasen und
       spielerisches Vermögen.
       
       Von Trainer Mitch Kniat wird diese Mixtur angerührt, und sie entfaltet im
       schwingenden und dampfenden Hexenkessel Alm stets aufs Neue ihre scheinbar
       wundersame Wirkung. Wie vorm 1:0, als Bremens Verteidiger Julián Malatini
       den Ball im Aufbau an den anlaufenden Wörl verlor. Wörl zog mit dem Ball in
       die Mitte und schickte von der Strafraumgrenze einen kunstvollen
       Rechtsschuss aufs lange Eck, wo der Ball vom Innenpfosten ins Tor prallte
       (35.). Und als Malatini sechs Minuten später auch noch Stefano Russos
       Flanke beim Klärungsversuch ins eigene Tor lenkte, nahm Bielefelds nächste
       Pokalüberraschung endgültig Form an.
       
       ## Erstligisten sind einfacher
       
       Diese geriet nach Bremens Tor zum 2:1 durch den eingewechselten Oliver
       Burke (56.) ins Wanken. In der Nachspielzeit verhinderte zudem die Latte
       den Ausgleich nach dem Kopfball des ehemaligen Bielefelders Amos Pieper.
       „Es ist auch einiges für uns gelaufen“, resümierte Kniat. Purer Zufall aber
       ist das nicht. „Die Bundesligisten spielen einfach auch anders. Unserer
       Mannschaft liegt das“, erklärte Sport-Geschäftsführer Michael Mutzel.
       Anders als meist in der dritten Liga müsse die Arminia nicht dominieren,
       sondern könne Räume nutzen, die die Bundesligisten zwangsläufig freigeben.
       Das nährt zumindest die kleine Hoffnung der Bielefelder, erstmals ins
       Pokalfinale nach Berlin zu kommen.
       
       „Was wir bis jetzt geleistet haben als Drittligist, ist unglaublich“, sagte
       Wörl, „wenn du im Halbfinale als Drittligist bist, wird’s natürlich schwer.
       Aber träumen darf man.“ Kniat sagte: „Wir wollen unsere eigene Geschichte
       schreiben und sind gerade auf einem guten Weg, eine noch bessere Geschichte
       zu schreiben.“
       
       [3][Für die Bremer] entwickelt sich die Saison nach vier Niederlagen in
       Serie dagegen zu einem Albtraum. Mit 30 Punkten steht Werder im
       Niemandsland der Bundesliga. In Bielefeld kam ein teils irritierender
       Auftritt hinzu. Leonardo Bittencourt versicherte, atmosphärische Störungen
       gebe es nicht. „Vielleicht muss da ein bisschen Störung rein. Es ist
       wahrscheinlich zu lieb.“
       
       26 Feb 2025
       
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